Der "Höhle der Löwen"-Investor Carsten Maschmeyer (66) hat bei einem Auftritt auf dem Digital-Festival OMR in Hamburg deutliche Kritik an der deutschen Politik geübt. Im Gespräch mit BILD appellierte der Unternehmer an die Politiker, mehr Innovationsgeist und Digitalkompetenz zu zeigen.
Maschmeyer: "Ich habe Angst um diesen Staat"
Maschmeyer erklärte, er wolle einen Großteil seines Vermögens nutzen, um Start-ups zu unterstützen. Er kritisierte die Bürokratie und die mangelnde Innovationskraft in Deutschland. "Wir liegen in fast allen Wirtschaftsrankings hinten", sagte er. Seine Hoffnung ruhe auf den neuen, innovativen Gründern. Er wolle als "Gründervater" helfen, neue Marktführer zu schaffen.
"Politiker müssen besser arbeiten"
Der Investor wurde noch deutlicher: Er nannte Künstliche Intelligenz die "dritte Gehirnhälfte", die in Deutschland zu wenig genutzt werde, weil Politiker zu wenig davon verständen. Viele wüssten nicht einmal, wie man einen Laptop auflädt. "Und die sollen uns in die digitale Zukunft führen?!", fragte Maschmeyer empört. Er forderte: "Politiker müssen besser arbeiten."
Auf die Frage, was er tun würde, wenn Kanzler Friedrich Merz ihn um Hilfe bitten würde, antwortete Maschmeyer: "Dann wäre das ein langes Gespräch. Denn er braucht sehr viel Hilfe." Er könne zwar nur zu Wirtschaft und Innovation beraten, aber: "Wir müssen diese Innovation hinbekommen."
Burnout-Erfahrung und neue Prioritäten
Im persönlichen Teil des Gesprächs sprach Maschmeyer über seine Burnout-Erkrankung vor 18 Jahren, die ihm die Augen geöffnet habe. Er habe immer alles selbst gemacht und nicht delegiert. "Urlaub war für mich lange Zeit Arbeiten mit schönerem Hintergrund", gestand er. Heute sehe er Erfolg anders: "Wenn jemand beruflich viel Erfolg hat, ist er beruflich Profi, aber privat Amateur."
Maschmeyer betonte die Bedeutung von Ausgleich: Familie, Freunde, Sport und Zeit für sich selbst. Er habe seinen Kindern versprochen, ein besserer Großvater zu sein. "Heute unterbreche ich Meetings, wenn eines meiner drei Kinder mich braucht. Denn Vatersein kannst du nicht delegieren." Zwei seiner Enkel leben in den USA, zu denen er noch diese Woche reisen wird.



