Schwarz Digits will europäischer Cloud-Hyperscaler werden und investiert Milliarden
Schwarz Digits will europäischer Cloud-Hyperscaler werden

Schwarz Digits strebt europäische Cloud-Vorherrschaft an

Die Digitalsparte der Schwarz Gruppe, bekannt als Mutterkonzern von Lidl und Kaufland, hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Sie will sich als europäische Alternative zu den globalen Cloud-Giganten Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure etablieren. Christian Müller, Co-Vorsitzender von Schwarz Digits, bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass das Unternehmen perspektivisch als Hyperscaler auftreten möchte. Diese Bezeichnung steht für Cloud-Anbieter, die weltweit riesige Serverkapazitäten betreiben, um Kunden umfangreiche Speicher- und Rechenleistungen für Daten, Programme und Künstliche Intelligenz bereitzustellen.

Milliardeninvestition in digitale Infrastruktur

Um dieses Vorhaben zu realisieren, investiert die Schwarz Gruppe elf Milliarden Euro in den Bau eines neuen Rechenzentrums in Lübbenau im brandenburgischen Spreewald. Diese Summe markiert die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Das Rechenzentrum wird nicht nur interne Daten der Gruppe verarbeiten, die aus Lieferketten, Bestellprozessen, Zahlungsvorgängen und Kundenbindungsprogrammen stammen, sondern auch externen Kunden Speicher- und Rechenkapazitäten anbieten. Erste Kooperationen wurden bereits mit der Polizei Baden-Württemberg und der Bundesagentur für Arbeit geschlossen, die auch Vertreter zu einer Cybersicherheitskonferenz in Heilbronn entsandten.

Staatliche Kunden als Schlüssel zum Erfolg

Für den Aufstieg zum Hyperscaler betont Müller die Bedeutung staatlicher Institutionen als Kunden. „Da brauchen Sie richtige Services dazu, Sie brauchen die richtigen Kunden dazu und das richtige Ökosystem“, erklärte er. An allen diesen Faktoren arbeite man derzeit parallel. Als erste große Meilensteine nannte er die Eröffnung des ersten Bauabschnitts in Lübbenau im Jahr 2027. Cloud Computing ermöglicht es Nutzern, Speicherplatz, Datenbanken und Rechenleistungen aus vernetzten Rechenzentren über das Internet zu beziehen, ohne sich selbst um Wartung von Hard- oder Software kümmern zu müssen.

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Europäische Ideen gegen US-Dominanz

Co-Chef Rolf Schumann wies die verbreitete Erzählung zurück, dass große technologische Entwicklungen primär aus den USA stammen und Europäer lediglich in der Regulierung, etwa bei Künstlicher Intelligenz, führend seien. „Die Ideen kommen wirklich von hier“, betonte er und bezeichnete die USA stattdessen als „Verkaufsmarkt“. Dieses neue politische Problembewusstsein für die Abhängigkeit von IT-Dienstleistern aus China und den USA habe sich in den letzten zwei Jahren verstärkt, so Experten. Entwicklungen im Ukraine-Krieg und Spannungen im transatlantischen Verhältnis seit Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump hätten dazu beigetragen. Schumann merkte an, dass die klare Interessendurchsetzung einer Regierung Trump bereits Effekte gezeigt habe.

Zweigleisige Strategie für mehr Souveränität

Die Schwarz Gruppe verfolgt eine zweigleisige Strategie, um digitale Souveränität zu gewährleisten. Einerseits nutzt sie Google Workspace, mit dem im November 2024 eine langfristige Partnerschaft angekündigt wurde, um Sicherheit, Effizienz und Kontrolle zu maximieren. Andererseits setzt man auf Backup-Lösungen wie Zendis OpenOffice, eine Verwaltungssoftware, deren Entwicklung von der Bundesregierung finanziert wurde, um Unabhängigkeit von außereuropäischen Anbietern zu fördern. Müller erklärte: „Wenn es da eine souveräne Lösung gibt, dann sollte man darauf setzen“, und verwies auf das Handelsprinzip, immer zwei Lieferanten zu haben. Zendis OpenOffice bietet Cloud-Speicher, E-Mail-Funktionen, Chats und Videokonferenzen unabhängig von US-Produkten und wird unter anderem vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag genutzt.

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