AfD-Funktionär tritt nach Neonazi-Videos zurück: Kontakte zu Rechtsextremen in Budapest
AfD-Funktionär tritt nach Neonazi-Videos zurück

AfD-Jugendfunktionär tritt nach Enthüllungen über Neonazi-Kontakte zurück

Die Recherchen der AZ haben einen jungen AfD-Funktionär aus Bayern zu Fall gebracht. Tim Schulz, Sohn eines verstorbenen FDP-Bundestagsabgeordneten und Mitglied im Vorstand der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland, ist nach der Veröffentlichung von Videos zurückgetreten, die ihn in der Nähe bekennender Neonazis zeigen.

Treffen mit selbsternanntem Nationalsozialisten in Budapest

Im März 2025 tauchte Schulz in der ungarischen Hauptstadt Budapest in Videos auf, die ihn neben Lois Wagner zeigen. Wagner beschreibt sich selbst auf der Plattform X als "Nationalsozialist aus Deutschland" und ist Aushängeschild der Jungen Nationalisten, der Jugendorganisation der als demokratiefeindlich eingestuften Partei Die Heimat (ehemals NPD).

Die AZ wertete mehr als 15 Einzelvideos aus, die am 19. März 2025 in Budapest entstanden. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Schulz mit Wagner interagiert und sich über das Zusammentreffen lustig macht. "Wir können das so inszenieren, dass ich einfach zufällig hier stehe", sagt Schulz auf einer Aufnahme.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Weitere Kontakte zur rechtsextremen Szene

Neben Wagner war bei dem Treffen auch Sanny Kujath anwesend, der dem neonazistischen Dritten Weg nahesteht. Zwei Monate später, im Mai 2025, zeigen weitere Aufnahmen Schulz in einem Casino in Kärnten erneut mit Kujath. Dort setzte eine Person Geld auf die Zahl 18 und sagte: "Ich schwör‘ auf 18 gleich – für Adolf Hitler."

Ein Szeneaussteiger, der das Material an die AZ weitergegeben hat, bezeichnete die Vorgänge in Budapest als "Judenjagd". Erik Ahrens, ein ehemaliger Digitalstratege im Umfeld der AfD, erklärte: "Meine Mission ist es, Menschen zu zeigen, wer sich in diese rechte Unterwelt begibt, wird den Ausgang möglicherweise nicht mehr finden."

Karriere in der AfD und problematische Äußerungen

Schulz hatte eine steile Karriere in der bayerischen AfD hingelegt. Nach seinem Austritt aus der FDP 2020 trat er 2023 in die AfD ein und wurde im Dezember 2025 in den Landesvorstand der Generation Deutschland gewählt. Die Organisation war als Nachfolger der als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Jungen Alternative gegründet worden.

Auf sozialen Medien hinterließ Schulz zahlreiche problematische Beiträge. Unter einem Post über Holocaust-Überlebende kommentierte er: "Wir haben auch nicht vor damit aufzuhören." Auf die Frage, ob jemand in seine Nachbarschaft ziehen könne, antwortete er: "Wenn du weiß bist, gerne."

Reaktionen der AfD und Rücktritt

Nach Konfrontation mit den Recherchen der AZ reagierte die AfD. Franz Schmid, Landesvorsitzender der Generation Deutschland, teilte mit: "Der Landesvorstand hat Tim Schulz aufgrund der im Raum stehenden Vorwürfe dazu aufgefordert, sein Amt niederzulegen. Dieser Aufforderung ist er nachgekommen."

Bayerns AfD-Landesvorsitzender Stephan Protschka schloss ein Parteiausschlussverfahren nicht aus und gab an, man habe "erst durch Ihre eingehende Recherche von den spezifischen Vorwürfen erfahren".

Weitere Verstrickungen

Schulz zeigte enge Verbindungen zur rassistischen Identitären Bewegung, die auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht. Auf Bildern trägt er Shirts mit IB-Aufschrift und posierte in den Berchtesgadener Alpen mit der sogenannten White-Power-Geste neben führenden IB-Akteuren.

Auf seinem Oberarm trägt Schulz eine Lebensrune, ein Symbol, das im Nationalsozialismus von der SS verwendet wurde und heute in rechtsextremen Kreisen verbreitet ist. Er behauptet, das Tattoo habe "keinen NS-Bezug" und beziehe sich auf germanische Mythologie.

Politische Reaktionen

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, kommentierte: "Diese Vorgänge zeigen wieder einmal deutlich, wes Geistes Kind viele Funktionäre der sogenannten Alternative für Deutschland sind."

SPD-Abgeordneter Florian von Brunn sagte: "Wer so handelt, ist ein lupenreiner Rassist und Nazi. Aber die AfD hat damit offensichtlich kein Problem." Cemal Bozoglu, Rechtsextremismus-Experte der Grünen-Landtagsfraktion, betonte: "Die AfD tritt immer offener rechtsextremistisch auf."

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Schulz hat mittlerweile alle seine Beiträge in sozialen Medien gelöscht und sein Amt niedergelegt. Beim Treffen mit der AZ sagte er auf dem Weg zum Auto, er könne sich vorstellen, aufgrund seiner Aktivitäten vom Verfassungsschutz überwacht zu werden.