AfD-Jugendorganisation in Bayern: Nachwuchsfunktionär tritt nach Neonazi-Kontakten zurück
AfD-Jugendfunktionär tritt nach Neonazi-Kontakten zurück

AfD-Jugendorganisation in Bayern: Nachwuchsfunktionär stürzt über Neonazi-Kontakte

Die neu gegründete Jugendorganisation »Generation Deutschland« der AfD sollte eigentlich alte Vorwürfe ausräumen und für weniger Skandale sorgen. Doch in Bayern musste nun ein Mitglied des Landesvorstands zurücktreten, nachdem er mit Hitler-Anspielungen, Neonazi-Musik und militanten Kontakten auffiel. Der 23-jährige Tim Schulz erklärte seinen Rücktritt, nachdem die Münchner Abendzeitung über seine Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen berichtete.

Vorfälle in Budapest und Online-Aktivitäten

Laut Recherchen der Münchner Abendzeitung zog Schulz im März vergangenen Jahres mit einer Gruppe junger Männer durch Budapest, wo orthodoxe Juden beschimpft und hebräische Sticker abgerissen wurden. Ein Aussteiger der rechtsextremen Szene bezeichnete dies später als »Judenjagd«. Auf Bildern ist Schulz neben Lois Wagner zu sehen, einem Vertreter der »Jungen Nationalisten«, der sich selbst als Nationalsozialist bezeichnet.

Im Internet gab es zahlreiche Hinweise auf seine politische Haltung:

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  • Er kommentierte einen Beitrag über Holocaustüberlebende mit den Worten: »Wir haben auch nicht vor damit aufzuhören«.
  • Auf die Frage, warum sein AfD-Ergebnis beim Wahl-O-Mat nicht 88 Prozent entspreche, antwortete er: »Ich arbeite dran.« Die Zahl 88 steht in rechtsextremen Kreisen für »Heil Hitler«.
  • Videos vom Krafttraining untermalte er mit einem Song der Neonazi-Band »Landser«.
  • Beim Kurznachrichtendienst X erklärte er im Februar: »Wir müssen die neue Jugendorganisation der AfD Schritt für Schritt unterwandern und radikalisieren.«

Reaktionen innerhalb der AfD und von außen

Innerhalb der AfD-Spitze in Bayern reichte die ausführliche Recherche offenbar nicht für eine klare Distanzierung. Der bayerische AfD-Landeschef Stephan Protschka sagte lediglich, er schließe ein Parteiausschlussverfahren nicht aus, forderte es aber nicht aktiv. Auf Nachfrage des SPIEGEL erklärte er, der Landesvorstand werde sich mit dem Fall befassen.

Deutlicher äußerte sich Franz Schmid, Vorsitzender der »Generation Deutschland« in Bayern. Er distanzierte sich »aufs Schärfste« von Antisemitismus und bezeichnete das Treffen mit Neonazis als »dumm«. Schmid forderte Schulz zum Rücktritt auf, räumte aber ein, dass sein Vorstand Social-Media-Accounts von Mitgliedern nicht im Vorfeld prüfe.

Die Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger von den Grünen kritisierte die neue Nachwuchsorganisation als »rechtsextremen Etikettenschwindel«. Sie sagte: »Wer sich mit bekennenden Nationalsozialisten trifft, antisemitische und rassistische Inhalte verbreitet, NS-Codes relativiert und die Radikalisierung innerhalb der Jugendorganisation offen fordert, landet bei der AfD nicht am ideologischen Abstellgleis, sondern im Vorstand ihrer Jugendorganisation in Bayern.«

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, äußerte sich ähnlich: »Diese Vorgänge zeigen wieder einmal deutlich, wes Geistes Kind viele Funktionäre der sogenannten Alternative für Deutschland sind.«

Hintergrund und Bedeutung

Die »Generation Deutschland« wurde im November 2025 als neue Jugendorganisation der AfD gegründet, der bayerische Landesverband folgte im Dezember. Ziel war es, künftig besser durchgreifen zu können und weniger Grenzüberschreitungen zu erleben. Doch bereits zuvor gab es Zweifel an diesem Vorhaben. Erst kürzlich stoppte die AfD-Spitze den vereinbarten Ausschluss eines anderen Nachwuchsfunktionärs nach Druck von rechtsaußen.

Der bayerische AfD-Landesverband gilt selbst parteiintern als besonders radikal. Auch GD-Landeschef Franz Schmid steht wegen seiner Positionen im Visier des Verfassungsschutzes. Die Nachwuchsorganisation wird als Bindeglied zwischen rechtsextremen Vorfeld-Organisationen und der AfD angesehen.

Dieser Fall unterstreicht erneut die anhaltenden Probleme der AfD mit rechtsextremen Tendenzen in ihren Reihen, trotz der Gründung einer neuen Jugendorganisation, die Abhilfe schaffen sollte.

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