Berliner Staatsanwaltschaft trotzt demografischem Wandel: Juristen strömen in die Hauptstadt
Berliner Staatsanwaltschaft trotzt demografischem Wandel

Berliner Staatsanwaltschaft trotzt demografischem Wandel: Juristen strömen in die Hauptstadt

Die Leitende Oberstaatsanwältin Ingrid Jaeger, Chefin der Berliner Staatsanwaltschaft, zeigt sich angesichts des demografischen Wandels optimistisch. Trotz einer bevorstehenden Pensionierungswelle in der Justiz hat sie keine Bedenken, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden. „Der Arbeitsmarkt hat sich seit etwa einem halben Jahr gewandelt“, erklärt Jaeger im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe zunehmend Juristinnen und Juristen, die Interesse am Staatsdienst zeigten.

Standortvorteil Berlin mit Bundesbehörden

„Außerdem haben wir einen klaren Standortvorteil. Berlin ist attraktiv mit den vielen Bundesbehörden und zieht zahlreiche Öffentlichkeits- und Strafrechtler an“, betont die erfahrene Juristin. Diese Entwicklung habe sie bereits in ihrer früheren Position als Leiterin der Abteilung Plenar- und Ausschussdienst des Berliner Abgeordnetenhauses beobachtet, etwa vor einem halben Jahr.

„Mein subjektiver Eindruck ist, dass dies auch damit zusammenhängt, dass Großkanzleien viel weniger einstellen“, so Jaeger. Offen bleibe, ob ein zunehmender Einsatz von künstlicher Intelligenz der Grund dafür sei oder die „lahmende Wirtschaftslage“.

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Generationswechsel bereits im vollen Gange

Nach früheren Angaben des Deutschen Richterbundes stehen Berlin und die fünf ostdeutschen Bundesländer vor einer erheblichen Pensionierungswelle: Bis zum Jahr 2033 gehen demnach bis zu 50 Prozent aller Juristen in den Ruhestand. Bei der Berliner Staatsanwaltschaft ist dieser Generationswechsel nach eigenen Angaben bereits voll im Gang.

Bis 2030 werden laut Jaeger noch etwa 70 Mitarbeiter die reguläre Pensionsgrenze erreichen. „Einen großen Teil haben wir also schon hinter uns“, erklärt die Leitende Oberstaatsanwältin. „Es gibt aber auch Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, die gar nicht genug haben von dem Tun. Die gesund sind und noch mit hohem Elan dabei sind – trotz der Herausforderungen, die beispielsweise die E-Akte mit sich bringt.“ Diese engagierten Mitarbeiter können eine Verlängerung ihrer Tätigkeit von bis zu zweieinhalb Jahren beantragen.

Digitalisierung als Schlüssel für effiziente Justiz

Die Einführung der E-Akte gehört zu den größten Herausforderungen für die Justiz – und zu den Themen, die Jaeger als neue Chefin der Staatsanwaltschaft erfolgreich bewältigen will. „Für mich war klar, dass ich einen ganz ungewöhnlichen und umfassenden Transformationsprozess begleiten werde, wenn ich hier anfange. Das ist der Grund, warum ich diese Aufgabe auch sehr übernehmen wollte“, betont sie.

Auch mit Hilfe von Digitalisierung und KI-Einsatz wolle sie „möglichst viele Kapazitäten freischaufeln“ für die eigentlichen Aufgaben der Staatsanwaltschaft. „Ich möchte das der Generation Y gut überlassen. Ich möchte, dass diese Generation gewisse Schwierigkeiten nicht mehr hat, die meine noch hatte“, unterstreicht die Juristin.

Gerechtigkeit und Arbeitszufriedenheit als Ziele

Bezogen auf die Verfolgung von Straftaten sei ihr Ziel, dadurch „möglichst viel Gerechtigkeit und regelbasiertes Verhalten aller Menschen in Berlin zu garantieren“ – und die Arbeit dabei so zu organisieren, dass Kolleginnen und Kollegen noch Freude an ihrer Tätigkeit haben. Die Berliner Staatsanwaltschaft positioniert sich damit als attraktiver Arbeitgeber in einer sich wandelnden juristischen Landschaft.

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