Moskaus Netzabschaltungen: Parlamentarier fordert Rückkehr zu Telefonzellen mit Internet
Moskau: Telefonzellen als Lösung für Netzabschaltungen?

Moskaus Netzabschaltungen: Parlamentarier fordert Rückkehr zu Telefonzellen mit Internet

In Russland häufen sich die Fälle, in denen Städte und ganze Regionen vom Internet abgeschnitten werden. Die Aufsichtsbehörden schalten das Netz offiziell aus Sicherheitsgründen ab. Nun bringt ein Abgeordneter eine altbekannte Technologie ins Spiel: die Telefonzelle.

Vorschlag zur Wiederbelebung von Telefonzellen

Der Duma-Abgeordnete Igor Antropenko von der Kremlpartei Einiges Russland hat laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass vorgeschlagen, Telefonzellen mit Internetzugang wieder aufzustellen. „Das ermöglicht es Bürgern, sogar in der Zeit von Abschaltungen Verbindung zu halten und gewährleistet ein gebührendes Niveau an Sicherheit“, sagte Antropenko. Dieser Schritt sei dringlich geworden, nachdem Netzabschaltungen in Russland zugenommen haben.

Massive Internetprobleme im Alltag

Seit Tagen klagen Menschen in der Hauptstadt Moskau über massive Internetprobleme, die den Alltag erheblich behindern. An den Kassen muss teilweise wieder bar bezahlt werden, da digitale Zahlungssysteme ausfallen. Apps für Fitnesszentren, Banken, Kurierdienste oder Taxis funktionieren nicht zuverlässig. Nicht nur Moskau, sondern auch andere Städte und teilweise ganze Regionen des Landes gehen immer häufiger offline, was zu erheblichen Einschränkungen führt.

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Offizielle Begründung und Hintergründe

Kremlsprecher Dmitri Peskow rechtfertigte die Abschaltungen diese Woche mit ukrainischen Angriffen und betonte, dass sie so lange anhalten würden wie nötig. Moskau baut seit Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine vor mehr als vier Jahren die Kontrolle und Zensur im Netz zunehmend aus. Mehrere Messengerdienste und zahlreiche Websites sind blockiert und lassen sich ohne ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) nicht öffnen. Gegen die Nutzung von VPN geht die Regierung immer stärker vor.

Verschärfte Maßnahmen und Strafen

Inzwischen drohen sogar Strafen für die reine Suche nach Informationen, die Behörden als „extremistisch“ eingestuft haben. Als „extremistisch“ gebrandmarkt sind vor allem Internetressourcen, die den Machtapparat kritisieren, wie der Anti-Korruptions-Fonds des in Haft gestorbenen Kremlgegners Alexej Nawalny. Diese Maßnahmen zeigen, wie stark die Internetfreiheit in Russland eingeschränkt wird.

Die Diskussion um Telefonzellen als Notlösung unterstreicht die wachsenden Herausforderungen, mit denen die Bevölkerung aufgrund der Netzabschaltungen konfrontiert ist. Ob dieser Vorschlag umgesetzt wird, bleibt abzuwarten, während die Internetprobleme weiterhin den Alltag in Russland prägen.

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