Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat nach der Ankündigung einer Reduzierung von US-Truppen in Deutschland durch Präsident Donald Trump zur Besonnenheit aufgerufen. „Das muss man in Ruhe einordnen, es kommt nicht wirklich überraschend, vielleicht der Zeitpunkt“, sagte der SPD-Politiker bei einem Truppenbesuch im niedersächsischen Munster. Er betonte, dass selbst ein Abzug von 5.000 Soldaten die Fähigkeiten der Nato nicht schmälern würde.
Hintergrund der US-Ankündigung
Die Ankündigung erfolgte nach Trumps deutlicher Kritik an Kanzler Friedrich Merz, der sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte. Medienberichten zufolge soll das US-Verteidigungsministerium zudem die geplante Stationierung einer Einheit zur Bedienung, Unterhaltung und Wartung von Mittelstreckenraketen zurückgenommen haben. Trumps Vorgänger Joe Biden hatte Deutschland beim Nato-Gipfel vor zwei Jahren zugesagt, erstmals seit dem Kalten Krieg wieder Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen, die bis nach Russland reichen, zur Abschreckung in Deutschland zu stationieren.
Geplante Waffensysteme
Für 2026 hatte Biden die Bereitstellung von Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern, Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen in Aussicht gestellt. Pistorius betonte, diese Fähigkeitslücke müsse nun möglichst zügig geschlossen werden: Es gebe Ideen zur Entwicklung, aber noch keine Lösung.
Mahnung zu mehr Tempo bei Rüstungsproduktion
Der Minister mahnte auch mehr Tempo in der Produktion von Waffensystemen an, die längst bestellt und durch das Sondervermögen der Bundeswehr bezahlt würden. Das 2022 geschaffene 100-Milliarden-Euro-Finanzierungsinstrument sei ganz überwiegend verbucht. Pistorius zeigte sich beeindruckt von der modernen Gefechtsübung in Munster, bei der auch digitalisierte Waffensysteme demonstriert wurden. Allen sei bewusst, dass man eine rasante Weiterentwicklung in allen Systemen erlebe, sagte er auch mit Blick auf den Einsatz von Drohnen speziell im Krieg in der Ukraine. „Wir sind gefordert, an der Spitze der technologischen Entwicklung zu sein“, sagte er und lobte die Professionalität sowie Motivation der Soldaten.



