Moskau setzt Prozess gegen Düsseldorfer Karnevalisten Jacques Tilly wegen Putin-Karikaturen fort
Prozess gegen Tilly: Putin-Karikaturen vor Moskauer Gericht

Moskauer Justiz setzt Verfahren gegen deutschen Karnevalskünstler fort

In Moskau wird das kontroverse Strafverfahren gegen den Düsseldorfer Bildhauer und Karnevalisten Jacques Tilly am Donnerstag fortgesetzt. Das Gericht behandelt den Fall in Abwesenheit des Angeklagten, der sich wegen angeblicher Beleidigung von Kremlchef Wladimir Putin und Verletzung religiöser Gefühle verantworten muss. Der Prozess zieht sich bereits über längere Zeit hin, da es immer wieder zu Verzögerungen kam.

Prozessverlauf mit zahlreichen Hindernissen

Richter Konstantin Otschirow musste im Laufe des Verfahrens mehrfach neue Termine ansetzen. Mal erschien die Pflichtverteidigerin nicht, mal fehlten Zeugen, und zuletzt erklärte eine Staatsanwältin, sie müsse sich erst in den Fall einarbeiten. Diese Umstände machen den weiteren Verlauf des Prozesses ungewiss. Tilly hat mehrfach betont, nicht von der russischen Justiz über das Verfahren informiert worden zu sein. Dennoch beobachten Diplomaten der deutschen Botschaft in Moskau den Prozess mit Kenntnis der Situation.

Der Künstler ist bekannt für seine satirischen Karnevalswagen beim Düsseldorfer Rosenmontagszug, auf denen regelmäßig Karikaturen von Wladimir Putin zu sehen sind. Seine Motive schaffen es oft auf die Titelseiten deutscher und internationaler Medien. Bereits mehrfach hat Tilly seine Arbeiten dem russischen Präsidenten gewidmet, darunter eine Darstellung Putins in einer blutgefüllten ukrainischen Wanne.

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Kern der Anschuldigungen: Religiöse Gefühle und Propaganda

Im Mittelpunkt des Moskauer Prozesses steht insbesondere ein Karnevalswagen aus dem Jahr 2024. Dieser zeigt Figuren von Putin in Uniform und Patriarch Kirill beim homosexuellen Oralverkehr. Drei Zeuginnen, die sich als gläubige Christinnen bezeichnen, gaben an, sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt zu fühlen. Sie erklärten, von dem Strafverfahren gehört und sich daraufhin freiwillig als Zeuginnen gemeldet zu haben, nachdem sie die umstrittene Darstellung im Internet gesehen hatten.

Neben der Verletzung religiöser Gefühle wird Tilly auch Propaganda von Homosexualität vorgeworfen – was in Russland verboten ist – sowie Hass auf Russen. Eine Staatsanwältin trug zudem Interviewaussagen des Künstlers zu seiner Kritik am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor, in denen er Vorwürfe gegen die russischen Streitkräfte wegen der Tötung ukrainischer Zivilisten erhob.

Rechtliche Konsequenzen und internationale Kritik

Den Anschuldigungen zufolge drohen Tilly eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug bis zu zehn Jahren. In Russland sind bereits viele Kriegsgegner der von Putin befohlenen Invasion in die Ukraine nach ähnlichen Gesetzen verurteilt worden. Diese Urteile werden international als Unrechtsurteile der russischen Willkürjustiz kritisiert.

Zwar muss Tilly eine Auslieferung nicht befürchten, doch im Falle einer Verurteilung könnte er bei Reisen in Länder Probleme bekommen, die von Moskau gesuchte Straftäter an Russland ausliefern. Russland könnte ihn beispielsweise zur Fahndung bei Interpol ausschreiben.

In diesem Jahr reagierte Tilly mit einem weiteren Karnevalswagen auf den Moskauer Prozess: Eine Skulptur zeigt Putin in Uniform, wie er die Düsseldorfer Karnevalsfigur Hoppeditz mit einem Schwert aufspießt. Der Ausgang des Verfahrens bleibt abzuwarten, während die internationale Aufmerksamkeit auf diesem ungewöhnlichen Fall ruht.

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