Tausende Schüler demonstrieren in Berlin gegen Wehrpflicht und neues Wehrdienstgesetz
Mehrere tausend Berliner Schüler und Schülerinnen haben am Dienstagvormittag in der Hauptstadt gegen das neue Wehrdienstgesetz und eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht demonstriert. Die Jugendlichen versammelten sich am Potsdamer Platz und zogen anschließend in einem Demonstrationszug zum Oranienplatz in Kreuzberg. Um an der Protestaktion teilnehmen zu können, mussten die Schüler entweder den Unterricht schwänzen oder sich von ihren Eltern krankschreiben lassen.
Polizei spricht von 3000 Teilnehmern bei bundesweiten Protesten
Die Polizei bezifferte die Teilnehmerzahl auf etwa 3000 Personen, während die Veranstalter ihre offizielle Zählung noch bekanntgeben wollten. Die Berliner Demonstration war Teil einer bundesweiten Protestwelle von Schülerinitiativen, die sich gegen die Wehrpflicht richten. Bereits im Dezember letzten Jahres hatte es ähnliche Protestaktionen in ganz Deutschland gegeben.
Auf den Transparenten und Plakaten im Berliner Demonstrationszug waren deutliche Botschaften zu lesen: „Sterben steht nicht auf dem Stundenplan“, „Friedrich Merz an die Front“ und „Ein kluger Kopf passt unter keinen Stahlhelm“. In Sprechchören riefen die Jugendlichen immer wieder: „Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht“ und „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“.
Emotionale Statements der jugendlichen Demonstranten
Eine Rednerin auf der Kundgebung betonte: „Auf dem Schlachtfeld habe ich doch mehr gemeinsam mit den Menschen gegenüber als mit denen, die mich anweisen, auf sie zu schießen.“ Ein zehnjähriger Junge äußerte seine Ängste mit den Worten: „Ich will nicht töten und ich will nicht getötet werden.“
Eine Oberstufenschülerin erklärte: „Ich habe einen kleinen Bruder und ich will nicht, dass der in den Krieg geht.“ Ein 17-jähriger Schüler und sein 13-jähriger Bruder ließen sich für die Demonstration von ihren Eltern krankschreiben, um ihrer Ablehnung der Wehrpflicht Ausdruck zu verleihen.
Hintergrund: Neues Wehrdienstgesetz seit Jahresbeginn in Kraft
Seit Anfang des Jahres ist das neue Gesetz zum Wehrdienst in Kraft. Derzeit ist der Dienst zwar noch freiwillig, doch falls sich nicht genügend Freiwillige finden sollten, steht eine Reaktivierung der Wehrpflicht im Raum. Die allgemeine Wehrpflicht war in Deutschland seit dem Jahr 2011 ausgesetzt worden.
Die Bundesregierung reagiert mit dieser Gesetzesänderung auf die veränderte Sicherheitslage in Europa und die Bedrohung durch Russland. Die geänderten Nato-Ziele erfordern eine Anpassung der deutschen Verteidigungspolitik, was zu kontroversen Diskussionen in der Bevölkerung führt.
Die Schülerproteste zeigen deutlich, dass besonders die junge Generation große Bedenken gegenüber militärischen Verpflichtungen hat und ihre Zukunftsvorstellungen nicht mit Krieg und Wehrdienst vereinbaren kann.



