Berliner Unternehmerin wehrt sich nach Spionagevorwürfen gegen Untersuchungshaft
Im Januar dieses Jahres ließ die Bundesanwaltschaft die Berliner PR-Unternehmerin Ilona W. verhaften – sie steht unter dringendem Verdacht, für Russland spioniert zu haben. Nun haben ihre Anwälte einen Haftprüfungsantrag gestellt, um gegen die Untersuchungshaft vorzugehen. Ein mündlicher Verhandlungstermin beim zuständigen Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe wurde für Mittwoch angesetzt.
Verteidigung erhofft sich Klarheit über Vorwürfe
Die Anwälte Corinna Stieg und Martin Schüßler teilten mit, dass sie von der Haftprüfung Erkenntnisse über die konkret vorgeworfenen Tathandlungen sowie eine Eingrenzung des Tatvorwurfs erwarten. Ilona W. selbst hat sich bislang nicht zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen geäußert. In ihrem Antrag kritisieren die Verteidiger insbesondere die weite Auslegung der Bundesanwaltschaft für den Straftatbestand der geheimdienstlichen Agententätigkeit nach der sogenannten Mosaiktheorie.
Dazu zählen auch das Sammeln und die Weitergabe öffentlich zugänglicher Dokumente. Die Bundesanwaltschaft wirft der 56-jährigen Deutsch-Ukrainerin vor, seit November 2023 einen Kontaktmann in der russischen Botschaft in Berlin mit sensiblen Informationen versorgt zu haben. Bei diesem Mann handelte es sich nach Erkenntnissen der deutschen Spionageabwehr um einen als Vize-Attaché getarnten Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU, der Deutschland inzwischen verlassen musste.
Konkrete Vorwürfe und Hintergründe
Konkret soll Ilona W. gezielt Hintergrundinformationen zu Teilnehmern hochkarätiger politischer Versammlungen in Deutschland gesammelt haben. Nach Recherchen soll sie Details zum NATO-Talk im November 2023 im Berliner Luxushotel Adlon und zum Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum im Dezember 2025 in Berlin geliefert haben. Bei letzterem saß sie nur wenige Meter hinter Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Zudem soll sie im Februar 2024 ihren mutmaßlichen Agentenführer unter einem deutsch klingenden Aliasnamen in eine Versammlung von Bundeswehr-Reservisten eingeschleust haben. Ilona W. galt in Berlin als extrem umtriebig: Sie betrieb nebenbei einen Verein zur Pflege der Völkerverständigung und tauchte regelmäßig auf diplomatischen oder politischen Veranstaltungen auf. Dem Kuratorium ihres Vereins gehören namhafte Unternehmer sowie ehemalige Abgeordnete von SPD und CDU an.
Die Festnahme erfolgte am 21. Januar durch Beamte des Bundeskriminalamts in Berlin, zeitgleich gab es Durchsuchungen bei zwei früheren Mitarbeitern des Bundesverteidigungsministeriums, mit denen W. in Kontakt gestanden haben soll. Die Verteidigung betont, dass die Vorwürfe auf einer breiten Interpretation basieren und fordert eine genauere Prüfung der Beweislage.



