Im 48. Verhandlungstag des Entführungsprozesses um die Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block haben Verteidigung und Nebenklage die Aussage eines mutmaßlichen Fahrers unterschiedlich interpretiert. Der Anwalt der Angeklagten, Ingo Bott, kritisierte vor dem Landgericht Hamburg zahlreiche Ungereimtheiten in den Aussagen der israelischen Zeugen.
Widersprüchliche Angaben zu Treffen und Tüte
Nach Bott hätten die Zeugen aus Israel mehrere unglaubwürdige Versionen eines angeblichen Treffens seiner Mandantin mit den mutmaßlichen Entführern Ende 2023 präsentiert. Blocks Verteidigung hatte bereits mehrfach bestritten, dass ein solches Treffen im Hotel Grand Elysée stattgefunden habe. Als Beispiel führte Bott unterschiedliche Aussagen zu Farbe und Inhalt einer Tüte an, die Block den Zeugen zufolge an jenem Tag übergeben haben soll.
Nebenklage: Kleine Abweichungen sind normal
Der Vertreter der Nebenklage, Christoph Henckel, Anwalt von Blocks Ex-Mann, bewertete die Situation anders. Er erklärte, dass kleine Abweichungen – etwa welche Gegenstände in einer Tüte gewesen sein sollen – nach so langer Zeit völlig normal seien. Die Nebenklage sieht daher keinen Grund, die Glaubwürdigkeit der Zeugen infrage zu stellen.
Christina Block, die an diesem Prozesstag ihren 53. Geburtstag feierte, ist eine von sieben Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, nach einem langen Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, um ihre beiden jüngsten Kinder – damals 10 und 13 Jahre alt – in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Ex-Manns in Dänemark nach Deutschland zu entführen. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, beteuert ihre Unschuld. Der Prozess ist auf rund 100 Verhandlungstage angesetzt.



