Sozialpädagogin im Block-Prozess: Kinder zeigten bei Mutter keine Anzeichen von Gefährdung
Block-Prozess: Jugendamt sah bei Kindern keine Gefährdung

Sozialpädagogin im Block-Prozess: Kinder zeigten bei Mutter keine Anzeichen von Gefährdung

Im hochkarätigen Prozess um die Entführung der Block-Kinder hat eine Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamts als Zeugin ausgesagt, dass sie bei den Kindern keine Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung feststellen konnte. Die 47-jährige Sozialpädagogin traf den damals 10-jährigen Jungen und seine 13-jährige Schwester am 4. Januar 2024 – nur drei Tage nach ihrer gewaltsamen Überführung aus Dänemark – im Haus ihrer Mutter Christina Block in Hamburg.

Ausgelassene Stimmung bei den Kindern

Die Zeugin schilderte vor der Strafkammer am Landgericht Hamburg ein „nettes Beisammensein“, bei dem sie die Kinder beim Spielen antraf und sich selbst dazugesellte. Alle drei anwesenden Kinder – neben den beiden jüngsten war auch die zweitälteste Tochter der geschiedenen Eltern dabei – hätten in ausgelassener Stimmung miteinander gespielt und seien sehr vertraut miteinander gewesen. „Ich habe bei keinem Tränen gesehen“, betonte die Sozialpädagogin in ihrer Aussage.

Die Kinder hätten sogar Pläne für die Neugestaltung ihrer Zimmer geäußert: Der Junge wollte seinen rosafarbenen Papierkorb nicht mehr haben, die 13-Jährige wünschte sich eine andere Tapete. Über ihren Vater habe das Mädchen lediglich gesagt: „Ich würde gern mit ihm sprechen, aber das geht im Moment nicht.“ Die Sozialpädagogin betonte, die Kinder hätten keinerlei Anzeichen gezeigt, dass sie nicht im Haus ihrer Mutter sein wollten.

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Komplexer Sorgerechtsstreit und Entführungsvorwürfe

Der Prozess wurde nach vierwöchiger Pause fortgesetzt und dreht sich um die gewaltsame Entführung der beiden jüngsten Kinder von Christina Block und Stephan Hensel in der Silvesternacht 2023/24 aus Dänemark. Die 52-jährige Unternehmerin, Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, wird beschuldigt, einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung gegeben zu haben – eine Anschuldigung, die sie bestreitet.

Die Eltern streiten seit Jahren um das Sorgerecht für die beiden jüngsten ihrer vier gemeinsamen Kinder. Diese waren im Sommer 2021 nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch bei ihrem Vater in Dänemark nach Hamburg zurückgekehrt. Der Ex-Mann Stephan Hensel tritt im Prozess als Nebenkläger auf.

Israelische Zeugen und geopolitische Komplikationen

Ein zentraler Zeuge ist der mutmaßliche Chef des israelischen Sicherheitsunternehmens Cyber Cupola, David Barkay, der angab, ursprünglich beauftragt worden zu sein, die Familie des Ex-Mannes in Dänemark auszuspionieren. Als dies nicht den gewünschten Erfolg brachte, sei der Druck auf ihn gewachsen. Barkay nannte den Familienanwalt Andreas Costard als seinen wichtigsten Ansprechpartner und behauptete, auch Eugen Block sei informiert gewesen.

Die Befragung Barkays ist noch nicht abgeschlossen, und drei weitere israelische Zeugen sollen noch gehört werden. Allerdings könnte der Iran-Krieg die Planung des Gerichts durcheinanderbringen. Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt äußerte Bedenken: „Wir müssen sehen, ob das aufgrund der weltpolitischen Lage klappt.“ Eventuell müsse das Beweisprogramm umgestellt werden.

Loyalitätskonflikte und widersprüchliche Aussagen

Interessant ist der Widerspruch zwischen der Aussage der Sozialpädagogin und späteren Behauptungen der Tochter. Diese soll gegenüber dänischen Behörden ausgesagt haben, die Jugendamtsmitarbeiterin um Hilfe gebeten zu haben – was zu einem Ermittlungsverfahren gegen die Sozialpädagogin führte, das jedoch wieder eingestellt wurde.

Auf die Frage, wie sie sich diese spätere Aussage erkläre, sagte die Zeugin: „Es kann ein Anzeichen dafür sein, dass Kinder in einem Loyalitätskonflikt stehen und Dinge nachträglich anders schildern, als sie tatsächlich waren.“ Diese Einschätzung unterstreicht die psychologische Komplexität von Sorgerechtsstreitigkeiten, in denen Kinder oft zwischen den loyalitäten zu beiden Eltern hin- und hergerissen sind.

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Der Prozess am Landgericht Hamburg wirft nicht nur Fragen zur Kindeswohlgefährdung auf, sondern auch zur Rolle internationaler Sicherheitsfirmen in privaten Familienstreitigkeiten und den Herausforderungen der Justiz bei geopolitischen Spannungen. Die Aussage der Sozialpädagogin stellt einen wichtigen Mosaikstein in diesem vielschichtigen Verfahren dar.