Nach Mammut-Prozess: Gegnerische Anwälte treffen sich zum Bier im Osloer Pub
Der siebenwöchige Strafprozess gegen Mette-Marits Skandalsohn Marius Borg Høiby (29) ist beendet – und aus den juristischen Gegnern vor Gericht wurden Kollegen am Tresen. Nach Abschluss der Hauptverhandlung trafen sich Staatsanwalt, Verteidiger und Opfer-Anwälte zu einem gemeinsamen Bier im Osloer Pub „Eilefs Landhandleri“.
Traditionelle Geste der Professionalität
Staatsanwalt Sturla Henriksbø (46) bestätigte gegenüber Medien, dass er die beteiligten Juristen nach Ende der Verhandlung eingeladen habe. „Ein lockeres Treffen ist immer nett, wenn wir lange Zeit vor Gericht zusammen am gleichen Fall gearbeitet haben“, erklärte Henriksbø. „Es ist eine wunderbare Tradition. Obwohl wir verschiedene Rollen haben und verschiedene Gesichtspunkte im Gerichtssaal präsentieren, ist es toll, dass wir uns gemütlich treffen können, wenn sich der Staub gelegt hat.“
Der Staatsanwalt betonte seinen großen Respekt vor den Kollegen und die Bedeutung professioneller Zusammenarbeit. Während des gesamten Prozesses hatte BILD die Juristen zwischen freundlicher Distanz und angespannter Intensität erlebt – nun zeigte sich ein deutlich entspannteres Bild.
Alle Beteiligten waren eingeladen
Laut Staatsanwalt Henriksbø waren alle beteiligten Anwälte zu dem Treffen eingeladen worden, lediglich zwei Opfer-Anwälte mussten absagen. Richter und Schöffen blieben außen vor, um ihre Neutralität bis zum für Anfang Juni erwarteten Urteil zu wahren.
Opfer-Anwalt John Christian Elden (58) bestätigte, dass solche Treffen in Norwegen üblich seien: „Es ist wirklich üblich, dass sich die Beteiligten gemeinsam ein Pils gönnen. Früher machten wir das jeden Freitag, mit den Jahren wurde es immer seltener. Aber es geschieht, wenn ein längerer Prozess zu Ende ist.“
Keine geheimen Absprachen
Marius’ Verteidigerin Ellen Holager Andenæs (78) stellte klar, dass es sich bei dem Treffen nicht um eine Besprechung handelte: „Es war keine Besprechung, deshalb gab es auch keine Agenda. Unser Klient war natürlich über das Treffen informiert.“ Ob dabei über den konkreten Fall gesprochen wurde, ist nicht bekannt.
Der Prozess gegen Marius Borg Høiby dauerte von Anfang Februar bis Mitte März 2026. Der Norweger soll unter anderem vier Frauen vergewaltigt haben. Die Staatsanwaltschaft forderte am 19. März eine Haftstrafe von 7 Jahren und 7 Monaten. Bis zum Urteilsspruch Anfang Juni sitzt der Angeklagte weiterhin in Untersuchungshaft.
Neben Staatsanwalt Henriksbø und Opfer-Anwalt Elden nahmen auch Verteidiger Petar Sekulic (54) und Marius’ Anwältin Ellen Holager Andenæs an dem Treffen teil. Die Anwältin für Schmerzensgeld Heidi Reisvang (32) war ebenfalls anwesend.
Die norwegische Rechtspraxis zeichnet sich durch persönliche Bekanntschaften und freundschaftlichen Umgang zwischen den Juristen aus. Selbst nach kontroversen Verfahren ist es üblich, dass sich die Beteiligten in informellem Rahmen treffen – eine Tradition, die Professionalität und gegenseitigen Respekt betont.



