Prozess gegen Prinz Reuß: Angeklagter bestreitet Putschpläne vor Gericht
Im Frankfurter Prozess um die mutmaßliche Reichsbürger-Terrorgruppe hat der Hauptangeklagte Heinrich XIII. Prinz Reuß seine Einlassung fortgesetzt. In einer besonderen Befragungssituation durch seinen Anwalt schilderte er die Treffen auf seinem Jagdschloss in Thüringen und bestritt energisch jegliche Umsturzabsichten gegen die Bundesregierung.
Treffen als harmloser Gedankenaustausch dargestellt
Reuß erklärte vor Gericht, dass die Zusammenkünfte auf seinem Anwesen nicht von ihm initiiert worden seien. Er beschrieb sie als eine Art Think-Tank oder Stammtisch, bei dem der Gedankenaustausch im Vordergrund gestanden habe. Warum die Treffen ausgerechnet bei ihm stattfanden, könne er nicht mehr genau sagen, möglicherweise habe die zentrale Lage eine Rolle gespielt.
Inhaltlich drehten sich die Gespräche laut Reuß um die sogenannte Erdallianz. Die Bundesanwaltschaft beschreibt diese Allianz als einen nicht existierenden, technisch überlegenen Geheimbund von Regierungen, Nachrichtendiensten und Militärs verschiedener Staaten, einschließlich Russlands und der USA.
Keine Gewaltpläne laut Angeklagtem
Ein gewaltsamer Umsturz der Bundesregierung sei aus seiner Sicht nie Ziel gewesen, betonte Reuß. Sein Engagement habe sich ausschließlich auf die vermeintliche Erdallianz bezogen. Bei den Treffen habe er sich nach eigenen Angaben deutlich gegen Gewalt und Putschpläne ausgesprochen. Mit mir keinen Putsch! habe er dabei erklärt.
Emotional wurde der Angeklagte, als er seine damaligen Beweggründe schilderte. Nach jahrzehntelanger Berufstätigkeit habe ihn die Angst vor einer drohenden Übernahme stark beschäftigt. Rückblickend bezeichnete er die Erzählungen rund um die Erdallianz und angebliche militärische Verbindungen als trojanisches Pferd.
Gegenposition der Bundesanwaltschaft
Die Bundesanwaltschaft wirft den neun in Frankfurt Angeklagten dagegen vor, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein oder diese unterstützt zu haben. Ziel sei gewesen, die bestehende Staatsordnung gewaltsam zu beseitigen und durch eine eigene, bereits in Grundzügen ausgearbeitete Staatsform zu ersetzen.
Reuß behauptete, bei den Treffen habe es keine Festlegung von möglichen Ressorts gegeben, sondern nur eine spielerische Rollenverteilung: Wie bei einer Scharade, die wir als Kinder oft gespielt haben. Jeder übernimmt eine Rolle oder Funktion, ohne daraus was abzuleiten für die Zukunft.
Die Anklage sieht dies anders: Als zentrales Gremium fungierte demnach der Rat, der sich ähnlich wie ein Regierungskabinett aus Ressorts wie Militär, Inneres oder Justiz zusammensetzte. Die Ratsmitglieder hätten sich regelmäßig getroffen, um das weitere Vorgehen zu planen, so die Bundesanwaltschaft.
Der Prozess in Frankfurt am Main geht damit in eine weitere entscheidende Phase, während die Verteidigung und Anklage konträre Positionen zu den mutmaßlichen Umsturzplänen vertreten.



