Todesfahrer von Magdeburg hinterfragt psychiatrisches Gutachten im Prozess
In einer vergleichsweise ruhigen und kontrollierten Art hat der Angeklagte im Prozess um den tödlichen Weihnachtsmarkt-Anschlag in Magdeburg das psychiatrische Gutachten ausführlich hinterfragt. Der 51-jährige Taleb Al-Abdulmohsen, der aus Saudi-Arabien stammt, zeigte sich deutlich gelassener als in vorangegangenen Verhandlungstagen, als er in seiner Glaskabine wütete und das Mikrofon abgestellt werden musste. Dennoch blieb seine Haltung kritisch gegenüber den Einschätzungen des Sachverständigen.
Kleinteilige Befragung des Gutachters
Der Angeklagte, der über mehrere Jahre als Arzt im Maßregelvollzug mit psychisch kranken Straftätern gearbeitet hatte, griff in seiner Befragung diverse Aussagen und Bewertungen des psychiatrischen Gutachters Bernd Langer auf. Langer hatte in seinem Gutachten eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, jedoch keine psychische Erkrankung im engeren Sinne festgestellt. Der Experte hält den Todesfahrer für voll schuldfähig und damit voll verantwortlich für seine Tat.
Al-Abdulmohsen hinterfragte insbesondere Aspekte wie sein enormes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Selbstdarstellung, die übertriebene Betonung eigener Leistungen und Fähigkeiten sowie die angebliche Entwertung anderer Menschen. Der 51-Jährige sieht sich selbst als Asylaktivist, der sich insbesondere für saudische Frauen einsetzte. Bei Behörden war er aufgrund zahlreicher Anzeigen und Schriftwechsel als Vielschreiber eingestuft worden.
Mosaiksteinchen ergeben Persönlichkeitsbild
Gutachter Bernd Langer erklärte im Gerichtssaal, dass der Angeklagte sich nicht zu Gesprächen mit ihm bereit erklärt habe. Daher musste er Mosaiksteinchen aus schriftlichen und mündlichen Aussagen von vor und nach der Tat sowie aus der Hauptverhandlung zusammenfügen. Aus diesen vielen Einzelteilen zog er seine Einschätzung, weshalb es nach seiner Ansicht wenig sinnvoll sei, nach einzelnen Äußerungen zu fragen.
Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg ermahnte den Angeklagten mehrfach, sich auf sachliche Fragen zu beschränken und Erklärungen zu unterlassen. „Das ist hier keine Diskussionsveranstaltung“, betonte er deutlich.
Hintergrund der Tat
Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg hatte der damals 50 Jahre alte Taleb Al-Abdulmohsen am 20. Dezember 2024 einen mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt in Magdeburg gelenkt. Der Mann war dabei mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde unterwegs. Bei dem Anschlag starben fünf Frauen und ein neunjähriger Junge, mehr als 300 Menschen wurden verletzt. Der Angeklagte hatte die Tat im Wesentlichen eingeräumt.
Der Prozess geht nun in die nächste Phase, während die Opfer und ihre Angehörigen weiter auf Gerechtigkeit hoffen. Die Befragung des psychiatrischen Gutachtens markiert einen wichtigen Schritt in der Aufarbeitung der schrecklichen Ereignisse.



