Sozialpädagogin schildert "nettes Beisammensein" bei Christina Block
Im laufenden Strafprozess vor dem Landgericht Hamburg, in dem sich Christina Block wegen des Vorwurfs der Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder verantworten muss, hat eine Zeugin zugunsten der Mutter ausgesagt. Die Sozialpädagogin, die als Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamts tätig ist, beschrieb das Verhalten der Kinder bei ihrer Mutter drei Tage nach der mutmaßlichen Entführung als ausgelassen und vertraut.
Besuch am 4. Januar 2024 ohne Auffälligkeiten
Die Zeugin traf die damals zehnjährigen und dreizehnjährigen Kinder am 4. Januar 2024 im Haus von Christina Block an – genau drei Tage nachdem die beiden gewaltsam aus Dänemark nach Süddeutschland und anschließend nach Hamburg gebracht worden sein sollen. Laut ihrer Aussage vor der Strafkammer spielten die Kinder miteinander, als sie hinzukam, und sie schloss sich dem Spiel an. "Es war ein nettes Beisammensein", betonte die Sozialpädagogin in ihrer Zeugenaussage. Sie habe keinerlei Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung wahrgenommen.
Bei diesem Besuch war auch die zweitälteste Tochter der geschiedenen Eltern anwesend, die bei der Mutter in Hamburg lebt. Die älteste Tochter war nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zum Vater nach Dänemark gezogen. Alle drei anwesenden Kinder hätten in ausgelassener Stimmung miteinander gespielt, so die Zeugin. "Sie waren sehr vertraut miteinander", fügte sie hinzu und betonte, dass sie bei keinem der Kinder Tränen gesehen habe.
Kinder äußerten Wünsche für ihre Zimmer
Die beiden jüngsten Kinder hätten während des Besuchs sogar konkrete Pläne für ihre Zimmer geäußert. Der Junge wollte demnach auf keinen Fall mehr seinen rosafarbenen Papierkorb behalten, während die dreizehnjährige Tochter eine andere Tapete wünschte. Über den Vater habe das Mädchen lediglich gesagt: "Ich würde gern mit ihm sprechen, aber das geht im Moment nicht." Die Sozialpädagogin betonte, die Kinder hätten keine Anzeichen gezeigt, dass sie nicht im Haus ihrer Mutter sein wollten.
Später soll die Tochter gegenüber dänischen Behörden ausgesagt haben, dass sie die Jugendamtsmitarbeiterin um Hilfe gebeten habe. Die Staatsanwaltschaft Hamburg leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren gegen die Sozialpädagogin ein, das jedoch wieder eingestellt wurde. Auf die Frage, wie sie sich diese spätere Aussage erkläre, antwortete die Zeugin: "Es kann ein Anzeichen dafür sein, dass Kinder in einem Loyalitätskonflikt stehen und Dinge nachträglich anders schildern, als sie tatsächlich waren."
Hintergrund des Falls
Der Prozess um die Entführung der Block-Kinder wurde am Montag nach einer vierwöchigen Pause fortgesetzt. Christina Block, die 52-jährige Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette "Block House", Eugen Block, wird vorgeworfen, einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung ihrer beiden Kinder gegeben zu haben. Sie bestreitet diese Vorwürfe. Die Kinder waren in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam nach Süddeutschland gebracht worden, von wo Christina Block sie nach Hamburg holte.
Die angeklagte Unternehmerin streitet seit Jahren mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel um das Sorgerecht für die beiden jüngsten der vier gemeinsamen Kinder. Diese waren im Sommer 2021 nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch bei ihrem Vater in Dänemark nach Hamburg zurückgekehrt. Bei der mutmaßlichen Entführung sollen Dutzende Helfer involviert gewesen sein, und das Landeskriminalamt schleuste nach Informationen des SPIEGEL einen verdeckten Ermittler in den Fall ein.
Der Prozess vor dem Landgericht Hamburg wirft ein Schlaglicht auf die komplexen familiären und rechtlichen Auseinandersetzungen im Fall Block, bei dem die Aussagen von Zeugen wie der Sozialpädagogin eine zentrale Rolle spielen.



