Amtschef kritisiert Land: Gemeinden stoßen an finanzielle und bürokratische Grenzen
Amtschef kritisiert Land: Gemeinden an ihren Grenzen

Amtschef kritisiert Land: Gemeinden stoßen an finanzielle und bürokratische Grenzen

Jörg Puchert, der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Demmin-Land, hat in einem ausführlichen Interview mit dem Nordkurier die aktuellen Herausforderungen und Projekte seiner Verwaltung dargelegt. Dabei kritisierte er deutlich den Umgang des Landes mit den finanziellen Problemen kleiner Gemeinden im ländlichen Raum.

Großprojekte und Modernisierungsmaßnahmen

Das derzeit mit Abstand größte Bauvorhaben im Amtsbereich ist der Hafenausbau in Sommersdorf. Nach der Sicherung der Finanzierung konzentrierte sich das Team im vergangenen Jahr auf die Ausschreibung und Vergabe der Arbeiten. Weitere bedeutende Projekte umfassten die Innensanierung der Schulen in Sarow und Schönfeld, die Erneuerung eines Durchlasses in Warrenzin sowie den Umbau der Straßenbeleuchtung in Kletzin, Hohenmocker/Ortsteil Strehlow und Tentzerow auf energieeffiziente LED-Technik.

Spielplatzsanierungen wurden in Utzedel, Beestland und Upost durchgeführt, während in Wolkwitz, Gnevezow und Pentz neue Spielplätze errichtet werden. In Planung sind weitere Spielplätze in Meesiger, konkret im Unnerdörp und in Gravelotte. Besonders engagiert zeigte sich das Team bei der Aufarbeitung der Jahresabschlüsse der Gemeinden, wobei neue Mitarbeiterinnen hervorragende Arbeit leisteten und der Rechnungsprüfungsausschuss alle sechs Wochen tagte.

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Finanzielle Belastungen und bürokratische Hürden

Puchert äußerte deutliche Kritik an der Finanzausstattung der Gemeinden, die auf lange Sicht gefährdet sei. Die allgemeine Preisentwicklung nach der Coronazeit belaste alle schwer, insbesondere die hohen Energiekosten. Dauernd kämen neue Aufgaben hinzu, wie die kommunale Wärmeplanung, die für kleine Einheiten schwer umsetzbar werde.

Besonders ärgerlich findet Puchert den Umgang des Landes mit finanziellen Herausforderungen für die kleinen Gemeinden im ländlichen Raum. „Wir sind bei größeren Projekten stets abhängig von Zuwendungen anderer Geldgeber, was auch stets zu mehr Verwaltungsaufwand führt“, so der Amtschef. Er fordert, dass im Zuwendungsbereich Mehrfachkontrollen beteiligter Landesämter für die kommunale Ebene endlich entfallen und die Antragstellungen sowie Verwendungsnachweise auf das notwendige Maß reduziert werden.

Probleme mit Gebäudebestand und Fachkräftemangel

Der Gebäudebestand wird für immer mehr Gemeinden zum Problem. Die Häuser sind teilweise uralt und marode oder in den 90er Jahren renoviert, aber nicht auf aktuellem Stand – obwohl oftmals die Modernisierungskredite noch laufen. Die Nachfrage nach Plattenbauwohnungen auf dem Dorf ist gering, was zu fehlenden Mieteinnahmen und großem Leerstand führt. Der Abriss verursacht immens hohe Kosten, und die anschließende Verwertung der Grundstücke als Bauland bringt kaum Ertrag.

Für die Verwaltung wird zudem der Fachkräftemangel zunehmend zum Problem. Es wird immer schwieriger, ausgebildete Mitarbeiter zu finden, die sich schnell einarbeiten können. Daher gibt es immer mehr Quereinsteiger, was einen hohen Einarbeitungs- und Schulungsaufwand bedeutet.

Zukunftsprojekte und positive Entwicklungen

Für 2026 sind wichtige Projekte geplant, darunter die Fertigstellung des Hafens in Sommersdorf und der Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses in Pentz über das Musterfeuerwehrgerätehausprogramm des Landes. Maßnahmen zum Brandschutz sind ein Dauerauftrag, der sich um Brunnen, Zisternen, Löschteiche, moderne Fahrzeuge und zeitgemäße Ausstattung kümmert.

Stark beschäftigen wird die Verwaltung die Durchführung der Landtagswahl im September, die Einführung der Heimat-Info-App und die Beschaffung einer neuen Finanzsoftware, da das alte System ausläuft. Zudem wird daran gearbeitet, amtsintern alle Prozesse zu digitalisieren und den Generationswechsel im Amt erfolgreich zu meistern.

Puchert freut sich über sichtbare Ergebnisse wie die Sanierungen und den Hafenausbau, aber auch über die moderne Arbeitsplatzumgebung samt Digitalisierung in der Verwaltung. Er lobt die hohe Bereitschaft des Kollegiums zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter, den guten Zusammenhalt im Team und die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Hansestadt Demmin im Bereich Standesamt und Wohngeld.

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