Dieter Reiter: Der Pragmatiker aus der Stadtverwaltung
Am 8. März 2026 steht München vor einer wichtigen Entscheidung: Die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters. Unter den aussichtsreichsten Kandidaten befindet sich der amtierende Bürgermeister Dieter Reiter von der SPD, der für eine dritte Amtszeit antritt. Die AZ stellt den Politiker im Detail vor – von seinem Werdegang bis zu seinen politischen Positionen.
Privatleben: Vom Lech an die Isar
Dieter Reiter erblickte 1958 in Rain am Lech das Licht der Welt, doch bereits im Alter von zwei Jahren zog seine Familie nach München. Aufgewachsen ist er in einer Genossenschaftswohnung auf der Schwanthalerhöhe. Verheiratet ist er seit 2003 mit Petra Reiter, in zweiter Ehe für beide. Das Paar hat drei erwachsene Kinder und kann sich bereits über Enkelkinder freuen.
Privat zeigt Reiter musikalische Vorlieben: Er spielt E-Gitarre und nannte einst "Brothers in Arms" von den Dire Straits als seine Lieblings-CD. Sein erstes Auto war ein knallgelber Ford Escort, und auch auf dem Motorrad fühlte er sich in jungen Jahren wohl.
Beruflicher Werdegang: Verwaltungskarriere par excellence
Dieter Reiter hat seine gesamte berufliche Laufbahn in der Münchner Stadtverwaltung verbracht. Als studierter Verwaltungswirt trat er 1981 in den Dienst der Stadt ein. Seine Stationen:
- Bis 2000: Tätigkeit in der Stadtkämmerei, zuletzt als Büroleiter und Pressesprecher
- 2001-2005: Leitung des Kassen- und Steueramts
- 2005-2009: Stellvertretender Stadtkämmerer
- Ab April 2009: Wirtschaftsreferent unter Oberbürgermeister Christian Ude und Wiesn-Chef
Politische Karriere: Die Ude-Entdeckung
Reiters politischer Weg unterscheidet sich markant von dem vieler prominenter Politiker. Zwar war er SPD-Mitglied, spielte in der Partei jedoch nie eine herausragende Rolle und bekleidete keine politischen Ämter. Er gilt als Entdeckung von Christian Ude, der ihn förderte und als seinen Wunsch-Nachfolger sah.
Innerhalb der Münchner SPD setzte sich Reiter gegen Alexander Reissl und Brigitte Meier durch und trat 2014 erstmals als Oberbürgermeister-Kandidat an. Sein Wahlerfolg:
- 2014: Sieg in der Stichwahl mit 56,7 Prozent gegen CSU-Kandidat Josef Schmid (43,3 Prozent)
- 2020: Deutlicher Stichwahlsieg mit 71,7 Prozent gegen Kristina Frank von der CSU (28,3 Prozent)
Politische Positionen: Pragmatiker statt Ideologe
Dieter Reiter versteht sich selbst als Pragmatiker, der sich bewusst von Ideologien aller Art distanziert. Zwar positioniert er sich klar gegen rechts, im Alltag sieht er sich jedoch vor allem als Problemlöser. In der Tradition Schorsch Kronawitters bezeichnet er sich als "OB der kleinen Leute".
Zu seinen stolzen Errungenschaften zählt der Mietenstopp für Mieter der städtischen Wohnungsgesellschaft. Gleichzeitig äußert er Sorge um das Lebensgefühl in München: "Es gibt kein gutes Miteinander mehr", sagte er zum Jahreswechsel in einem AZ-Interview. "Ich wünsche mir oft das Lebensgefühl von Schwabing in den 80er und 90er Jahren zurück."
Interessant ist seine Distanzierung von Positionen der Bundes-SPD: Vor der Bundestagswahl 2025 sprach er sich öffentlich gegen Bundeskanzler Olaf Scholz und für eine Kanzlerkandidatur von Boris Pistorius aus.
In der Kritik: Der eigenwillige Verwaltungschef
Rathaus-intern wird Reiter vorgeworfen, wenig Interesse an der Moderation interner Konflikte zu zeigen. Statt Verantwortung zu übernehmen, schimpfe er lieber öffentlich über die Verwaltung, deren Chef er doch eigentlich sei. Aus den Reihen der Münchner SPD ist hingegen kaum Kritik zu vernehmen – Reiter hat es geschafft, die Partei geschlossen hinter sich zu versammeln.
Seine Beliebtheit in der Stadt hat durch interne Kritik keinen Abbruch erfahren. Einen echten Skandal hat sich der Oberbürgermeister in seiner Amtszeit nicht geleistet.
Kurioses: Franz Dieter Reiter
Eine wenig bekannte Tatsache: Dieter Reiter heißt mit vollem Namen Franz Dieter Reiter. Diese Information dürfte den wenigsten Münchnern bekannt sein und zeigt eine persönliche Seite des langjährigen Stadtoberhaupts.
Am 8. März 2026 wird sich zeigen, ob die Münchner Bürger Dieter Reiter erneut ihr Vertrauen schenken und ihm eine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister ermöglichen.



