Loitz in Zugzwang: Einsturzgefahr am Ibitzbach bedroht neue Brücke
Die Stadt Loitz steht vor einer dringenden baulichen Herausforderung, die die Sicherheit ihrer neuen Brücke über den Ibitzbach gefährdet. Ein aktuelles Gutachten warnt vor einer akuten Einsturzgefahr an den Uferbefestigungen, die dringend saniert werden müssen, um die Stabilität der Fußgänger- und Radfahrerbrücke am Wilhelm-Irrgang-Weg nicht zu gefährden.
Kritischer Bereich mit 90-Grad-Krümmung
Im Fokus steht ein etwa 20 Meter langer Abschnitt der Uferstützwand direkt nach der Brücke in Richtung Mündung. An dieser Stelle vollzieht der Ibitzbach eine scharfe Richtungsänderung von etwa 90 Grad, was zu einem sogenannten Prallhang führt. Die aus Natursteinen aufgeschichtete Schwergewichtswand zeigt hier besonders starke Schäden durch Wassereinwirkung und Erosion.
Der Gutachter stellte bei einer Begehung in Wathosen alarmierende Mängel fest:
- Offene Fugen zwischen den Steinlagen
- Ausgeprägte Auswaschungen des Fugenmörtels in der Wasserwechselzone
- Brüchiger Fugenmörtel im gesamten Bereich
- Einzelne und größere Gesteinsausbrüche
- Herausragende Steine und Brüche im Mauerwerk
- Verformungen und Ausbauchungen der Wand
- Verwitterte und zerstörte Steinelemente
- Durchfeuchtungen und fortschreitende Fugenauswaschungen
Akute Sicherheitsrisiken drohen
Der Experte bewertet diese Schadensbilder als zusammenhängend und fortschreitend. Sie weisen auf eine nachlassende Trag- und Verbundwirkung des Mauerwerks hin. Ohne zeitnahe Gegenmaßnahmen müsse die Kommune mit fortschreitender Schädigung, weiteren Materialverlusten und zunehmenden Verformungen rechnen.
„Im weiteren zeitlichen Verlauf kann hieraus eine akute Gefährdungslage entstehen“, warnt der Gutachter in seinem Bericht. Besonders kritisch: Der betroffene Bereich dient nicht nur Fußgängern, sondern auch als Autozufahrt für Anwohner.
Finanzierungslösung in Sicht
Die in angespannter Haushaltslage befindliche Stadt Loitz hat eine Finanzierungslösung gefunden. Die Stadtvertretung beschloss einstimmig, etwa 200.000 Euro aus einem bereits bewilligten Städtebauförderprojekt umzuwidmen. Dieses Geld war ursprünglich für die Sanierung der Ibitz-Einfassung weiter bachabwärts vorgesehen, wo nun eine andere Fördervariante im Blickpunkt steht.
Bauamtsleiter René Hassenstein erläutert: „Ich hoffe mit Blick auf die nötigen Ausschreibungen, dass die Umsetzung noch im Herbst starten kann und dann 2027 abgeschlossen wird.“ Voraussetzung ist die Zustimmung der BIG-Städtebau als Sanierungsträger zu dieser Umverteilung der Fördermittel.
Brückenbauprojekt läuft unabhängig weiter
Der Bau der neuen Brücke über den Ibitzbach bleibt von diesen Sicherungsarbeiten unbeeinflusst. Das Projekt wird wie geplannt fertiggestellt, zumal der Überbau bereits fertig betoniert vor Ort liegt. Die Brücke stellt eine eigenständige Baumaßnahme dar, die zeitlich unabhängig von den dringenden Ufersicherungsarbeiten verläuft.
Der Ibitzbach, der seit mindestens dem 19. Jahrhundert als hydrologisches Element der Peene-Niederung fungiert, transportiert große Wassermengen aus dem Loitzer Umland in die Peene. Im Stadtgebiet verläuft er teilweise unterhalb der erhaltenen Stadtmauer und ist an kritischen Stellen mit Mauern versehen, die nun dringend der Sanierung bedürfen.



