Kommunalwahl in Frankreich mit kuriosen Namen und symbolischen Gesten
Die französischen Kommunalwahlen haben mit einem ungewöhnlichen Namensduell und symbolträchtigen Aktionen für Aufsehen gesorgt. Im ostfranzösischen Dorf Arcis-sur-Aube setzte sich der parteilose Kandidat Charles Hittler – mit Doppel-t geschrieben – gegen den von der Rechtsaußenpartei der Patrioten unterstützten Antoine Renault-Zielinski durch.
Hittler gewinnt mit klarem Vorsprung
Im ersten Wahldurchgang in der vergangenen Woche erreichte Hittler 38 Prozent der Stimmen, während Renault-Zielinski auf 30 Prozent kam. Insgesamt wurden in dem kleinen Ort etwa 1000 Stimmen abgegeben. Die Wahl galt als wichtiger Stimmungstest ein Jahr vor der französischen Präsidentschaftswahl, auch wenn lokale Besonderheiten und viele parteilose Kandidaten die Ergebnisse beeinflussten.
Hittler warb mit dem Slogan „Bewährte Erfahrung, neuer Ehrgeiz“ für seine Kandidatur. In den meisten der 35.000 französischen Kommunen war die Wahl bereits in der ersten Runde entschieden worden. Nur in etwa 1600 Gemeinden, vor allem in Großstädten, fand am vergangenen Sonntag eine Stichwahl statt.
Sozialist Grégoire wird Pariser Bürgermeister
In der Hauptstadt Paris wird nach Hochrechnungen der Sozialist Emmanuel Grégoire neuer Bürgermeister. Der 48-Jährige, der lange die rechte Hand der bisherigen Bürgermeisterin Anne Hidalgo war, setzte sich gegen die konservative Ex-Kulturministerin Rachida Dati durch. Dati muss sich im September in einem Korruptionsprozess verantworten und wurde vom Regierungslager unterstützt, obwohl Präsident Emmanuel Macron öffentlich bestritt, sich persönlich für sie eingesetzt zu haben.
Gleich nach seiner Wahl demonstrierte Grégoire seine klima- und fahrradfreundliche Haltung, indem er am Sonntagabend von seiner Wahlparty mit einem Vélib-Leihfahrrad zum Rathaus fuhr. „Die Freude ist riesig, und die Verantwortung ist auch riesig. Wir werden jetzt ein paar Stunden feiern und morgen sehr früh mit der Arbeit beginnen“, sagte der mehrfache Marathonläufer, der als wenig charismatisch, aber kompetent gilt.
Politische Landschaft in anderen Städten
In Marseille und Lyon wurden die Bürgermeister des links-grünen Lagers im Amt bestätigt. Die Rechtspopulisten eroberten zwar rund 30 Gemeinden, scheiterten aber in den Großstädten Toulon und Marseille. Im südfranzösischen Nizza gewann deren Verbündeter Éric Ciotti.
Gégoire will die klima- und fahrradfreundliche Politik seiner Vorgängerin Hidalgo fortsetzen und zusätzlich leer stehende Büroräume in Sozialwohnungen umwandeln. Die Wahlberechtigten wählen zunächst nur die Gemeinde- und Stadträte, die dann in ihrer ersten Sitzung den Bürgermeister wählen – diese sogenannte dritte Runde der Kommunalwahl gilt als Formsache.



