Golchen entgeht knapp der Zwangsverwaltung - Gemeinde kämpft mit hoher Verschuldung
Golchen entgeht knapp der Zwangsverwaltung

Golchen kämpft um finanzielle Handlungsfähigkeit

Die kleine Gemeinde Golchen mit ihren 269 Einwohnern steht finanziell am Abgrund. Wie Bürgermeister Gerhard Fuchs in einer aktuellen Bestandsaufnahme deutlich macht, liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei alarmierenden 477 Euro. Nur 23 Euro fehlen zur kritischen 500-Euro-Marke, ab der eine Gemeinde nach Vorgaben des Innenministeriums als nicht mehr handlungsfähig gilt und zwangsverwaltet werden kann.

Haushaltsdefizit von fast 250.000 Euro

Der aktuelle Haushaltsplan für 2026 offenbart ein massives Ungleichgewicht: Während die Erträge lediglich 408.825 Euro betragen, belaufen sich die Ausgaben auf 655.365 Euro. Dies entspricht einem Haushaltsdefizit von 246.540 Euro. „Eigentlich können wir nicht existieren, weil Einnahmen und Ausgaben so weit auseinanderliegen“, bringt Bürgermeister Fuchs die prekäre Situation auf den Punkt.

Die Gesamtverschuldung der Gemeinde setzt sich aus zwei Hauptposten zusammen: Kassenkredite in Höhe von etwa 516.000 Euro und Investitionskredite von 128.226 Euro. Besonders problematisch sind die direkten Steuern, bei denen Golchen deutlich über dem Landesdurchschnitt liegt. Der Hebesatz A für landwirtschaftliche Flächen beträgt 460 Prozent – der Landesdurchschnitt liegt bei nur 343 Prozent.

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Umlagen als Hauptbelastungsfaktor

Die hohe Verschuldung hat laut Bürgermeister Fuchs mehrere Ursachen: „Vom Land wurden uns die Schlüsselzuweisungen gekürzt, gleichzeitig haben wir hohe Kosten für die Feuerwehr“. Doch den größten Brocken machen die verschiedenen Umlagen aus:

  • Schulumlage: 23.600 Euro
  • Amtsumlage (17,57%): 56.435 Euro
  • Kreisumlage (ca. 43,3%): 139.065 Euro

Hinzu kommen Kosten für die Kinderbetreuung, die den Haushalt zusätzlich belasten. Fuchs zeigt zumindest bei der Amtsumlage noch Verständnis: „Das Amt arbeitet ja wenigstens zählbar für uns“. Bei anderen Behörden kritisiert er jedoch lange Bearbeitungszeiten und häufige Ablehnungen aus Naturschutzgründen.

Umstrittene Bauvorhaben als Hoffnungsträger

Aktuell hofft die Gemeinde auf zwei konkrete Projekte, die die finanzielle Situation verbessern könnten. In Ludwigshöhe plant Golchen die Installation eines sogenannten Löschwasserkissens – einer flexiblen Zisterne zur Brandsicherung. Das Gelände gehört dem Kloster Loccum aus Niedersachsen, das eine langfristige Verpachtung in Aussicht stellt. Der Antrag wurde bereits im vergangenen Jahr eingereicht, im Dezember wurden weitere Unterlagen nachgereicht. Die Genehmigung steht jedoch noch aus.

Ein zweites Projekt betrifft Tückhude, wo die Gemeinde eine Fläche vom Kloster Loccum erwerben möchte. Diese soll als Ausgleichsfläche für den Bebauungsplan Golchen Süd dienen, wo Einfamilienhäuser entstehen sollen. „Ich hoffe, dass die Kommunalaufsicht hier zustimmt“, erklärt Fuchs. „Ansonsten müssten wir 25.000 Euro Ökopunkte kaufen und bekämen dafür kein Eigentum“.

Solarpark als umstrittene Rettungsoption

Die eigentliche Hoffnung für eine nachhaltige Verbesserung der Haushaltssituation liegt jedoch in einem geplanten Solarpark zwischen dem Ortsausgang und der L 35. „Die Einnahmen aus dem Solarpark sind lebensnotwendig für die Sicherung des Haushalts“, betont Bürgermeister Fuchs nachdrücklich.

Drei Landeigentümer arbeiten bereits aktiv an der Errichtung des Solarparks Golchen und haben ein entsprechendes Planungsbüro beauftragt. Das Beispiel der Gemeinde Bartow zeigt, dass mit einem Solarpark erhebliche Einnahmen in die Gemeindekasse fließen können. Allerdings gibt es in Golchen auch zahlreiche Kritiker des Vorhabens, die Bedenken äußern.

Bis 2029 unterliegt die Kommunalpolitik in Golchen noch dem Haushaltssicherungskonzept. Der Weg aus der Schuldenfalle gestaltet sich schwierig, doch ohne zusätzliche Einnahmequellen wie den Solarpark scheint eine nachhaltige Sanierung des Haushalts kaum möglich. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die umstrittenen Projekte realisiert werden können und Golchen dauerhaft der Zwangsverwaltung entgehen wird.

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