Grünen-Politikerin tritt nach Holocaust-Koffer-Foto zurück
Ein einziger Instagram-Post hat die politische Karriere der Vizepräsidentin der Bremischen Bürgerschaft abrupt beendet. Sahhanim Görgü-Philipp (56, Grüne) legte ihr Amt nieder, nachdem sie ein umstrittenes Foto mit Koffern aus einer Holocaust-Ausstellung veröffentlicht hatte. Die Grünen bestätigten den Rücktritt der Politikerin, die seit langem in der Bremer Politik aktiv war.
Das umstrittene Foto und seine Symbolik
Was genau löste die Empörungswelle aus? Görgü-Philipp postete am vergangenen Donnerstag nach Feierabend ein Bild, das sie lachend neben der SPD-Abgeordneten Katharina Kähler (47) zeigt. Beide Politikerinnen hielten je einen Koffer aus der aktuellen Holocaust-Ausstellung in der Bürgerschaft. Der dazu verfasste Spruch „Fertig für heute“ verstärkte den negativen Eindruck zusätzlich.
Die besondere Brisanz: In der Ausstellung stehen die Koffer symbolisch für die Deportationen während der NS-Zeit. Ein Sprecher der Bürgerschaft betonte zwar, dass es sich bei den abgebildeten Koffern nicht um Originale handle, doch die symbolische Bedeutung blieb unverändert. Das Foto wurde inzwischen gelöscht, doch die politischen Konsequenzen sind nicht mehr rückgängig zu machen.
Scharfe Reaktionen und politische Konsequenzen
Die Opposition reagierte umgehend mit scharfer Kritik und forderte den Rücktritt der Grünen-Politikerin als Vizepräsidentin. „Das Gremium ist arbeitsfähig“, teilte ein Sprecher der Bürgerschaft mit, nachdem Görgü-Philipp ihren Rückzug erklärt hatte. Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer (59, SPD) und Vizepräsidentin Christine Schnittker (51, CDU) übernehmen ihre Aufgaben vorläufig.
Obwohl sich Görgü-Philipp mehrfach für das Foto entschuldigte, zog sie nun die Konsequenzen: Auf eigenen Wunsch wird sie ab sofort nicht mehr im Vorstand des Bremer Landtags tätig sein. Die Grünen müssen nun eine Nachfolge vorschlagen, über die die Bürgerschaft bereits in zwei Wochen in ihrer nächsten Sitzung abstimmen könnte.
Entschuldigung der SPD-Abgeordneten
Katharina Kähler, die neben Görgü-Philipp ebenfalls mit einem Holocaust-Koffer posierte, äußerte sich ebenfalls zum Eklat. Auf Anfrage erklärte sie: „Das Ganze tut mir aufrichtig leid. Es war ein völliger Augenblicksaussetzer. In der Situation habe ich nicht realisiert, dass die Koffer Ausstellungsstücke sind. Das war vollkommen unangemessen, respektlos und verletzend.“ Sie entschuldigte sich zutiefst und bat alle, ihre Entschuldigung anzunehmen.
Der Vorfall zeigt erneut, wie sensibel der Umgang mit Symbolen der NS-Zeit in der politischen Öffentlichkeit ist. Ein momentanes Fehlverhalten auf sozialen Medien kann weitreichende politische Konsequenzen haben, wie der Rücktritt der Bremer Vizepräsidentin deutlich macht.



