Friedensbewegung in Halle: Buh-Rufe für abwesenden Oberbürgermeister auf Ostermarsch
Am Montagnachmittag versammelten sich etwa 200 Hallenser auf dem Marktplatz, um beim traditionellen Ostermarsch des Friedensbündnisses Halle gegen Krieg und Wehrpflicht zu protestieren. Die Demonstration stand im Zeichen aktueller Konflikte wie dem Krieg in der Ukraine und im Iran, wobei die Teilnehmer mit selbst gemalten Transparenten, Friedenstauben-Fahnen und eindringlichen Paraden ihre Botschaften verbreiteten.
Historische Symbole und aktuelle Ängste
Unter den Demonstranten befanden sich Simone Scholz und Lieselotte Himpel, die mit handgemalten Schildern wie „Schwerter zu Pflugscharen“ an die nichtstaatliche Friedensbewegung der DDR in den 1980er Jahren erinnerten. „Dass wir noch einmal für den Frieden auf die Straße gehen müssen, hätte wohl niemand erwartet“, äußerten die beiden Frauen mit Bedauern. Ihre Kritik richtete sich auch an die Evangelische Kirche, die sich ihrer Meinung nach nicht ausreichend von atomarer Abschreckung distanziere.
Ein junger Mann namens Friedrich teilte seine persönlichen Befürchtungen: „Ich bin gegen die Wehrpflicht und möchte nicht an der Waffe sterben.“ Seine Sorgen wurden durch das neue Wehrdienstgesetz geschürt, das Männern zwischen 17 und 45 Jahren, die länger als drei Monate ins Ausland reisen wollen, eine Genehmigung der Bundeswehr vorschreibt. Obwohl das Bundesverteidigungsministerium betont, dass diese Genehmigung bei freiwilligem Wehrdienst als erteilt gilt, sieht Friedrich darin eine potenzielle Gefahr für die Zukunft.
Politische Enttäuschung und konkrete Forderungen
Während der Kundgebung hallten leichte Buh-Rufe über den Marktplatz, als die Abwesenheit von Oberbürgermeister Alexander Vogt (parteilos) thematisiert wurde. Der OB hatte einer Einladung der Organisatoren nicht Folge geleistet, da er sich nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung im Urlaub befand. Die Demonstranten erwarteten von ihm eine Stellungnahme zum Flughafen Leipzig/Halle, an dem die Stadt Halle Anteile von 0,2 Prozent hält.
Eine zentrale Forderung lautete, dass Vogt sicherstellen solle, dass von diesem Flughafen aus kein „völkerrechtswidriger“ Angriffskrieg gegen den Iran unterstützt werde. Die Enttäuschung über sein Fernbleiben war spürbar und unterstrich die Erwartungshaltung der Friedensaktivisten an lokale Politiker, sich klar zu positionieren.
Breite Themenpalette und nachhaltige Botschaften
Die Teilnehmer des Ostermarsches brachten eine Vielzahl von Anliegen zum Ausdruck, darunter Parolen wie „Macht unsere Kinder schreib- und lesetüchtig, aber nicht kriegstüchtig“. Die Diskussionen drehten sich auch um die Rolle der NATO und die Frage, ob Europa ohne die USA ausreichend geschützt sei. Friedrich räumte ein: „Eine definitive Antwort darauf habe ich nicht“, was die Komplexität der sicherheitspolitischen Debatten widerspiegelte.
Insgesamt zeigte die Veranstaltung, dass die Friedensbewegung in Halle trotz historischer Wurzeln hochaktuell bleibt. Die Kombination aus persönlichen Ängsten, politischen Forderungen und symbolträchtigen Aktionen machte den Ostermarsch zu einem eindrucksvollen Zeichen für den anhaltenden Kampf um Frieden und Abrüstung in unsicheren Zeiten.



