Krawatten und Kartoffeln: Symbolische Wahlkampfschlachten in Anklam
Krawatten und Kartoffeln: Anklams Bürgermeisterwahl

Krawatten und Kartoffeln: Symbolische Wahlkampfschlachten in Anklam

Ein Merkel-Zitat und Vorpommerns Kartoffelernte spielten zentrale Rollen beim Aufeinandertreffen der Bürgermeisterkandidaten für Anklam am Dienstagabend. Die Veranstaltung in der Gedenkstätte des ehemaligen Wehrmachtgefängnisses zog knapp 90 Zuhörer an, deren Applaus bereits früh erkennen ließ, dass ein großer Teil den Amtsinhaber Michael Galander unterstützen wird.

Kleider machen Bürgermeister

Dr. Jörg Valentin, der AfD-Kandidat aus Greifswald, hatte sich bei der Auswahl seiner Krawatte besondere Mühe gegeben und trug auffällig die Anklamer Stadtfarben über der Brust. Am 12. April, also in gut einer Woche, soll die Entscheidung fallen, ob er der neue Chef im Rathaus wird oder ob alles beim bisherigen Amtsinhaber Michael Galander bleibt.

Moderiert von der Anklamer Chefreporterin des Nordkurier, Anne-Marie Pankratz, drehte sich die Diskussion immer wieder um drei Kernthemen:

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  • Die schwierige finanzielle Lage der Stadt
  • Künftige Entwicklungsprojekte
  • Den anhaltenden Streit zwischen Bürgermeister und Stadtvertretung

Finanzpolitische Kontraste

Galander teilte dabei gegen die Fraktionen von AfD und CDU in der Stadtvertretung aus. „Die AfD blockiert den Kurs der Gestaltung, legt aber keine eigenen Pläne vor“, sagte er. In der Vorstellungsrunde witzelte er, nach 24 Jahren im Amt könne er das Merkel-Zitat nutzen: „Sie kennen mich.“

Valentin betonte mehrfach, er stehe für einen neuen Stil in einigen Politikfeldern, blieb bei Nachfragen aber meist vage. Sein finanzpolitisches Mantra: Bis zum Ende der Amtszeit wolle er Anklam aus der defizitären Haushaltslage zu einer „schwarzen Null“ bringen. Investitionen kämen grundsätzlich auf den Prüfstand.

Projektkonflikte und Zukunftsvisionen

Die Anklamer Stadtverwaltung rechnet für dieses und das nächste Jahr mit Defiziten von je rund sieben Millionen Euro. „Prestigeprojekte müssen geschoben oder gestrichen werden“, sagte Valentin und zielte damit gegen das sogenannte Ikareum – den Umbau der Nikolaikirche zum Museum für Flugpionier Otto Lilienthal.

Galander hielt dagegen und spielte den Vorteil des Amtsinhabers aus: Große Teile des Projekts seien bereits umgesetzt oder konkret in Planung – auch dank vieler Fördermillionen von Land, Bund und EU. „Möglich, dass das Ganze am Ende 40 Millionen gekostet haben wird. Aber es ist ein nachhaltiges und zukunftsweisendes Projekt“, so Galander mit Verweis auf Prognosen von 50.000 Besuchern pro Jahr.

Unterschiedliche Prioritäten

Galander warb stattdessen für weitere Großprojekte:

  1. Sanierung des Theaters
  2. Bau eines neuen Schulcampus am Mittelfeld
  3. Neues Feuerwehrgebäude

Valentin kündigte an, zu Beginn einer möglichen Amtszeit vorrangig den Zustand von Straßen und Gehwegen in den Blick zu nehmen. Zudem wolle er sich dem Thema regionaler Lebensmittelversorgung widmen. Es gebe eine Vielzahl landwirtschaftlicher Betriebe in der Region, deren Produkte wie Kartoffeln den Weg in Schulen und Kantinen finden müssten.

Mit Bezug auf die Landwirtschaft sprach sich Valentin auch gegen Investitionen in große Solarparks aus. „Landwirtschaftliche Flächen sind wichtiger als PV-Anlagen“, sagte er. Eine konkrete Nachfrage, wie er dazu stehe, dass die geplante Investition in einen Solarpark in Stretense mit AfD-Stimmen verhindert wurde, beantwortete er ausweichend.

Kommunikation als Herausforderung

Bei den Fragen aus dem Publikum meldeten sich auch Stadtpolitiker zu Wort – mehrfach mit zugespitzten Fragen gegen den AfD-Kandidaten. Dabei wurde der Konflikt zwischen Teilen der Stadtvertretung, Bürgermeister und Verwaltung deutlich, der Galander zuletzt mehrfach ausgebremst hatte.

Beide Kandidaten betonten, dass man wieder zueinanderfinden müsse, blieben aber auch dabei vage. Die Diskussion offenbarte tiefe politische Gräben, die über die Wahl hinaus die Zusammenarbeit in der Stadt prägen werden.

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