Stadtrat Köthen lehnt Weiterbetrieb insolventer Awo-Kita Spatzennest ab
In einer nichtöffentlichen Sitzung am Dienstagabend hat der Stadtrat von Köthen eine bedeutende Entscheidung für die frühkindliche Bildung in der Stadt getroffen. Mit deutlicher Mehrheit wurde beschlossen, die insolvente Kindertagesstätte „Spatzennest“ des Arbeiterwohlfahrt-Verbandes nach der geplanten Schließung am 30. April 2026 nicht bis zum regulären Ende des Kindergartenjahres am 31. Juli weiterzubetreiben.
Entscheidung unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Die Beratungen und die anschließende Abstimmung fanden unter strengem Ausschluss der Öffentlichkeit statt, was bereits im Vorfeld für Diskussionen sorgte. Die Stadtverwaltung begründete diese Verfahrensweise mit der Notwendigkeit, vertrauliche Informationen zum Insolvenzverfahren der Awo-Einrichtung zu schützen und eine sachliche Entscheidungsfindung ohne äußeren Druck zu ermöglichen.
Laut internen Kreisen argumentierte die Verwaltung, dass ein Weiterbetrieb der Kita über den 30. April hinaus erhebliche finanzielle Risiken für die Stadt bedeuten würde. Die Insolvenz des Awo-Trägers habe zu unklaren rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen geführt, die eine verantwortungsvolle Fortführung der Einrichtung unmöglich machten.
Reaktionen aus dem Elternkuratorium
Der Vorsitzende des Elternkuratoriums der Kita Spatzennest, Markus Weber, zeigte sich nach der Entscheidung des Stadtrates enttäuscht und besorgt. „Diese Entscheidung trifft nicht nur die betroffenen Erzieherinnen und Erzieher hart, sondern vor allem die Familien und Kinder, die nun innerhalb kürzester Zeit eine alternative Betreuungslösung finden müssen“, erklärte Weber in einer ersten Stellungnahme.
Weber kritisierte insbesondere das Verfahren: „Dass diese weitreichende Entscheidung hinter verschlossenen Türen gefallen ist, ohne dass Elternvertreter oder die Öffentlichkeit die Argumente nachvollziehen können, ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Wir fordern Transparenz und eine offene Diskussion über die Zukunft der frühkindlichen Betreuung in Köthen.“
Auswirkungen auf die Betreuungssituation
Die Schließung der Kita Spatzennest betrifft nach aktuellen Angaben:
- Etwa 45 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren
- Ein Team von acht pädagogischen Fachkräften
- Zahlreiche Familien, die nun kurzfristig alternative Betreuungsplätze suchen müssen
Die Stadtverwaltung kündigte an, betroffene Familien bei der Suche nach neuen Betreuungsplätzen unterstützen zu wollen. Allerdings räumten Beamte ein, dass die Kapazitäten in anderen Kölner Kindertagesstätten bereits stark ausgelastet seien und kurzfristige Lösungen schwierig zu finden sein dürften.
Hintergrund der Insolvenz
Die Arbeiterwohlfahrt als Träger der Kita Spatzennest hatte bereits im vergangenen Quartal Insolvenz angemeldet. Hintergrund sind nach Informationen aus Kreisen der Stadtverwaltung langfristige wirtschaftliche Schwierigkeiten des Verbandes, die durch gestiegene Personalkosten, rückläufige Spenden und erhöhte Betriebsausgaben verschärft wurden.
Die Entscheidung des Stadtrates markiert damit nicht nur das Ende einer konkreten Einrichtung, sondern wirft grundsätzliche Fragen zur Zukunft der Kinderbetreuung in kommunaler Verantwortung auf. Experten warnen, dass ähnliche Fälle in anderen Städten zunehmen könnten, wenn die Finanzierung frühkindlicher Bildung nicht nachhaltig gesichert wird.



