Wirbel um Göttinger Landrat: Marcel Riethig kandidiert nach Vorwürfen nicht erneut
Im Göttinger Kreistag herrscht Aufregung: Landrat Marcel Riethig von der SPD wird bei der kommenden Wahl 2026 nicht mehr für sein Amt antreten. Diese Entscheidung gab der SPD-Unterbezirk Göttingen am Donnerstagabend bekannt. Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund schwerwiegender Vorwürfe gegen die Amtsführung des Landrats, die in den vergangenen Tagen durch verschiedene Medien publik wurden.
SPD sucht dringend neuen Kandidaten
Riethig selbst begründete seinen Schritt gegenüber dem Göttinger SPD-Verband damit, dass seine Kandidatur „unter den gegebenen Umständen politisch nicht aufrechtzuerhalten“ sei. Der Vorstand der Göttinger Sozialdemokraten unterstützte diese Einschätzung ausdrücklich. In einem offiziellen Schreiben kündigte die Parteispitze an, „unverzüglich“ mit der Suche nach einem Nachfolger für die Landratskandidatur zu beginnen.
Gleichzeitig forderte der Vorstand eine umfassende und zügige Aufklärung der gegen Riethig erhobenen Vorwürfe. Der SPD-Vorsitzende und niedersächsische Gesundheitsminister Andreas Philippi kommentierte: „Die Entscheidung schafft jetzt Klarheit für die weitere politische Arbeit.“ Ob Riethig auch vorzeitig von seinem Amt als Landrat zurücktritt, blieb zunächst unklar und wurde in der Mitteilung nicht thematisiert.
Beschwerde bei Kommunalaufsicht wirft schwere Vorwürfe auf
Auslöser der politischen Krise ist eine formelle Beschwerde gegen die Amtsführung von Marcel Riethig, die bei der Kommunalaufsicht des Landes Niedersachsen eingereicht wurde. Laut Angaben des Innenministeriums traf das Schreiben bereits am Montag ein und wird derzeit intensiv geprüft. Das Dokument soll eine Reihe konkreter Sachverhalte enthalten, die Dienstvergehen des Landrats belegen sollen.
Besonders brisant: Die eigentlich vertrauliche Beschwerde wurde von mehreren Kreisräten unterschiedlicher Parteien übergeben, darunter:
- Doreen Fragel von den Grünen
- Marlies Dornieden von der CDU
- Conrad Finger von der SPD
Je nach Ergebnis der Prüfung durch die Kommunalaufsicht könnte dem Landrat ein offizielles Dienstvergehen angelastet werden, was weitere rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte.
Landrat weist alle Vorwürfe entschieden zurück
Marcel Riethig reagierte bereits am Dienstag über soziale Medien auf die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen. Auf Facebook schrieb er: „Den Vorwurf der Vetternwirtschaft und der Rechtsverstöße weise ich zurück.“ Der Landrat betonte, von den Vorwürfen völlig überrascht worden zu sein und das Beschwerdeschreiben nicht zu kennen.
Diese Position bekräftigte er am Donnerstag erneut über seinen Rechtsanwalt. In einem offiziellen Schreiben hieß es: „Die dargestellten Behauptungen beruhen offensichtlich auf unvollständigen und teilweise sogar falschen Informationen.“ Trotz dieser deutlichen Zurückweisung aller Vorwürfe zog Riethig mit dem Verzicht auf seine erneute Kandidatur die politischen Konsequenzen aus der angespannten Situation.
Die SPD in Göttingen steht nun vor der Herausforderung, kurzfristig einen neuen und glaubwürdigen Kandidaten für die Landratswahl 2026 zu finden, während gleichzeitig die Aufklärung der Vorwürfe gegen den amtierenden Landrat forciert werden muss. Die Kommunalaufsicht prüft derweil die eingereichte Beschwerde, deren Ergebnis das weitere politische Schicksal von Marcel Riethig maßgeblich beeinflussen wird.



