Hanna Charlotte Zabel ist 18 Jahre alt und engagiert sich im Jugendstadtrat von Oranienbaum-Wörlitz. Gemeinsam mit sechs weiteren Jugendlichen setzt sie sich für die Belange der jungen Generation ein. In der MZ-Serie „Ihr Thema, unsere Recherche“ berichtet sie von ihrem Einsatz für einen frei zugänglichen Basketballplatz und zeigt, wie junge Menschen Politik mitgestalten können – und warum sie trotz Absagen nicht aufgeben.
Der Weg zum Engagement
Zabel besucht das berufliche Gymnasium am Anhaltischen Berufsschulzentrum „Hugo Junkers“ in Dessau mit Schwerpunkt Wirtschaft. Später möchte sie BWL studieren. Neben ihrer Arbeit im Jugendstadtrat ist sie auch in der Jungen Union im Kreis Wittenberg aktiv und tanzt in der „Ranjnboomer Narrengilde“. Ihr Vater, selbst Stadtrat und Ortswehrleiter, ermutigte sie, sich politisch zu engagieren, anstatt sich nur zu beschweren.
Der Kampf um den Basketballplatz
Im Herbst 2025 trat der Jugendstadtrat mit einem großen Projekt vor den Stadtrat: dem Bau eines Basketballplatzes. Die Jugendlichen hatten eine Finanzierungsmöglichkeit im Blick – das Sondervermögen „Infrastruktur“ des Bundes, aus dem die Stadt Oranienbaum-Wörlitz rund 3,2 Millionen Euro erhalten soll. Zabel argumentierte, dass ein Teil dieses Geldes für die Jugend verwendet werden sollte, da die jungen Menschen die Schulden in den nächsten 30 Jahren zurückzahlen müssten. Eine Hoffnung auf Förderung über das Bundesprogramm „Sportmilliarde“ zerschlug sich jedoch, da ein anderes Projekt den Zuschlag erhielt.
Unterstützung und Perspektiven
Martina Weigel, die 60-jährige Vorsitzende des Jugendstadtrates, sieht sich als Mentorin für die Nachwuchsparlamentarier. Sie betont, wie wichtig es ist, am Ball zu bleiben und den Kontakt zur Stadt zu suchen. Bürgermeister Maik Strömer (CDU) signalisierte Gesprächsbereitschaft und schloss eine „kleinere Variante“ des Projekts nicht aus. Die Prioritätenliste sei kein Dogma, so Strömer.
Mehr als nur ein Sportplatz
Der geplante Basketballplatz soll für alle Kinder und Jugendlichen der Einheitsgemeinde frei zugänglich sein. Der Antrag sieht eine geeignete Fläche mit zwei Korbanlagen, Sitzmöglichkeiten und einem Fangzaun vor. Als Standort wurde die Nähe des Sportplatzes „Am Waldhaus“ in Oranienbaum vorgeschlagen. Die Jugendlichen haben sich bereits für Sitzplätze in zwei Ortsteilen und öffentliches WLAN am Busbahnhof Oranienbaum eingesetzt. Die Verwirklichung des Basketballplatzes wäre ein Zeichen dafür, „dass man was erreichen kann“.
Hintergrund der Serie
Die MZ-Redaktion startete am Tag des Lokaljournalismus, dem 5. Mai, die Serie „Ihr Thema, unsere Recherche“. Bürger aus dem Kreis Wittenberg wurden gefragt, welche Themen ihnen wichtig sind. Die Geschichten reichen von Handyverboten an Schulen bis zu überschwemmten Bahnunterführungen. Die Serie zeigt, wie Journalismus vor Ort im Dienst der Leser funktioniert.



