Münchens Oberbürgermeister zieht sich aus FC Bayern zurück
In einer bemerkenswerten Wendung hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) alle seine Ämter beim FC Bayern München niedergelegt. Der SPD-Politiker reagiert damit auf wochenlangen öffentlichen Druck, der durch seine Nebentätigkeiten beim deutschen Rekordmeister entstanden war.
Reiter spendet 90.000 Euro an soziale Projekte
In einer Pressemitteilung am Mittwochvormittag kündigte Reiter nicht nur seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat und Verwaltungsbeirat des FC Bayern an, sondern auch die Spende seiner bisherigen Einkünfte. „Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner steht für mich über allem“, betonte der Oberbürgermeister und erklärte, die Entscheidung sei ihm „als Bayern-Fan seit Kindheit definitiv nicht leicht gefallen“.
Konkret will Reiter 90.000 Euro an die sozialen Projekte „Mini München“ und „Bunt kickt gut“ spenden. Diese Summe habe er seit Ende 2021 für seine Mitgliedschaft im Verwaltungsbeirat erhalten und versteuert. „Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner ist mir wichtiger als Mandate oder Vergütungen“, so Reiter weiter.
Politische Konsequenzen nach schwachem Wahlergebnis
Der Rückzug kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für den Oberbürgermeister. Bei der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag erreichte Reiter nur 35,6 Prozent der Stimmen – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 47,9 Prozent aus dem ersten Wahlgang vor sechs Jahren. Am 22. März muss er sich nun in einer Stichwahl gegen seinen derzeitigen Stellvertreter Dominik Krause (Bündnis 90/Die Grünen) behaupten, der 29,5 Prozent der Stimmen erhielt.
Disziplinarverfahren droht wegen fehlender Genehmigung
Ein weiteres Problem für Reiter könnte ein drohendes Disziplinarverfahren sein. Als kommunaler Wahlbeamter hätte er sich Nebentätigkeiten ab einer Vergütung von 10.000 Euro pro Jahr genehmigen lassen müssen. Reiter, der seit Ende 2021 jährlich 20.000 Euro für seine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat erhielt, besaß eine solche Genehmigung nicht.
Die Regierung von Oberbayern prüft deshalb die Einleitung eines Disziplinarverfahrens. Dieser Umstand wurde besonders durch Nachfragen der Linken im Stadtrat aufgedeckt, die am Donnerstag nach Reiters Vergütung gefragt hatte.
Weitere Details zu Reiters FC Bayern-Engagement
Mit der Wahl zum Vorsitzenden des Verwaltungsbeirats im Februar war für Reiter auch ein Sitz im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG verbunden. Wie viel Vergütung er für diese Position erhalten sollte, gab der Oberbürgermeister bisher nicht bekannt. Laut Jahresabschluss der FC Bayern AG erhielten die neun Aufsichtsratsmitglieder im Geschäftsjahr 2024/2025 insgesamt 680.000 Euro.
Im Verwaltungsbeirat des FC Bayern sitzen neben Reiter auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU), die allerdings keine Vergütung für ihre Tätigkeiten erhalten. Ebenfalls Mitglied ist der CSU-Landtagsabgeordnete Josef Schmidt, der auf der Internetseite des Landtags veröffentlicht hatte, als Verwaltungsbeirat 20.000 Euro pro Jahr zu erhalten.
In seiner abschließenden Erklärung kündigte Reiter an, dass „die Informationen zu allen weiteren Fragen bezüglich des FC Bayern“ gesammelt würden und später „in der Beschlussvorlage für den Stadtrat sowie gegenüber der Regierung der Oberbayern beantwortet“ werden.



