Münchens Oberbürgermeister zieht Konsequenzen vor Stichwahl
In einer überraschenden Wendung hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (67, SPD) alle seine Positionen beim FC Bayern München aufgegeben. Nur zehn Tage vor der entscheidenden Stichwahl um das höchste Amt in der bayerischen Landeshauptstadt erklärte Reiter am Mittwochvormittag seinen vollständigen Rückzug aus den Gremien des Rekordmeisters.
„Vertrauen der Münchner steht über allem“
„Das Vertrauen der Münchner steht für mich über allem“, begründete Reiter seine Entscheidung. „Deshalb habe ich mich entschieden, meine Mandate im Aufsichtsrat und im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München niederzulegen.“ Der Schritt erfolgt mit sofortiger Wirkung und umfasst sowohl das neu angetretene Aufsichtsratsmandat als auch den Vorsitz im Verwaltungsbeirat sowie die einfache Mitgliedschaft in diesem Gremium.
Der Oberbürgermeister räumte ein, dass die Entscheidung ihm als langjährigem Bayernfan nicht leichtgefallen sei. „Eine Entscheidung, die mir als Bayernfan seit Kindheit definitiv nicht leichtgefallen ist“, gestand Reiter. In den vergangenen Tagen sei ihm jedoch deutlich geworden, dass er eine eindeutige und unzweifelhafte Position beziehen müsse.
Wochenlange Debatten um Nebentätigkeiten
Vorausgegangen waren wochenlange kontroverse Diskussionen über die Vereinbarkeit von kommunalen Ämtern mit bezahlten Positionen beim größten Sportverein der Stadt. Seit 2016 war Reiter Mitglied im Verwaltungsbeirat der Bayern und erhielt dafür nach eigenen Angaben jährlich 20.000 Euro als Aufwandsentschädigung. Nach Informationen diente dieses Geld vor allem dazu, die teuren Eintrittskarten für den VIP-Bereich zu finanzieren.
Im Februar 2026 hatte der Verein zudem bekannt gegeben, dass Reiter neues Mitglied des Aufsichtsrats werden würde. Über die Höhe der Vergütung für diese Position machte der Oberbürgermeister bislang keine Angaben. Im Münchner Stadtrat kursierten jedoch Spekulationen über mögliche Bezüge in Höhe von bis zu 75.000 Euro jährlich, basierend auf Angaben eines anderen Aufsichtsratsmitglieds.
Stimmeneinbruch bei der Wahl
Seit Bekanntwerden dieser Vergütungszahlungen ist die Zustimmung für Reiter in der Münchner Bevölkerung massiv gesunken. Bei der Oberbürgermeisterwahl am vergangenen Sonntag erreichte er lediglich 35,6 Prozent der Stimmen – ein dramatischer Rückgang von zwölf Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl im Jahr 2020.
Besonders bemerkenswert ist die Differenz zwischen Briefwahl- und Urnenstimmen: Während die vor der Bayern-Debatte abgegebenen Briefwahlstimmen Reiter noch fast 40 Prozent einbrachten, fiel er an der Wahlurne mit nur noch 32 Prozent deutlich hinter den grünen Kandidaten Dominik Krause (35) zurück. Dieser hatte 35 Prozent der Stimmen erhalten und zwingt Reiter damit am 22. März zur Stichwahl.
Politische Konsequenzen
Die deutliche Abstrafung durch die Wähler hat Reiter und sein SPD-Team offenbar zum Umdenken bewegt. „In den vergangenen Tagen ist mir sehr klar geworden – und die Münchnerinnen und Münchner haben es mir auch deutlich zu verstehen gegeben – dass ich hier eine eindeutige und unzweifelhafte Entscheidung treffen muss“, erklärte der Oberbürgermeister.
Reiter räumte zudem ein, dass nicht alle Aspekte seines Engagements beim FC Bayern das Ergebnis nüchterner Überlegungen gewesen seien. Die nun getroffene Entscheidung markiert einen klaren strategischen Kurswechsel in der heißen Phase des Wahlkampfs, nur zehn Tage vor der entscheidenden Stichwahl um das Amt des Münchner Oberbürgermeisters.



