Münchens Oberbürgermeister im Zwielicht: 90.000 Euro vom FC Bayern kassiert
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (67, SPD) steht wegen einer umstrittenen Nebentätigkeit beim FC Bayern München massiv unter Druck. Der Politiker kassierte insgesamt 90.000 Euro vom Rekordmeister für seinen Posten im Verwaltungsbeirat des Vereins. Die Zahlungen erfolgten ab Ende 2021 mit einer Aufwandsentschädigung von 10.000 Euro pro Halbjahr.
Juristische Bewertung: Geld hätte an Stadtkasse fließen müssen
Verwaltungsrechtsexperte Dr. Christoph Partsch (64) stellt klar: „Aus Paragraf 10 Abs. 1 der Bayerischen Nebentätigkeitsverordnung folgt eine Ablieferungspflicht. Herr Reiter hätte also die 90.000 Euro an die Landeshauptstadt München abliefern müssen.“ Der Anwalt betont, dass München diese Forderung auch aktiv stellen müsse. Reiter selbst behauptet, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er die Nebentätigkeit vom Stadtrat genehmigen lassen musste, da er jährlich mehr als 10.000 Euro verdiente.
Die Stadt München ließ bisher alle Nachfragen unbeantwortet, was mit dem Geld geschehen ist und ob es der Stadtkasse zugekommen ist. Der Oberbürgermeister kündigte an, die bereits versteuerten 90.000 Euro spenden zu wollen. Partsch kommentiert diese Reaktion scharf: „Die Antwort des höchsten Beamten der Landeshauptstadt München ist peinlich. Damit kann er keine Vorbildfunktion mehr für seine Mitarbeiter haben.“
Politische Konsequenzen: Stichwahl und mögliches Disziplinarverfahren
Die Affäre hat unmittelbare politische Folgen. Drei Tage vor der Kommunalwahl am 8. März musste Reiter die Zahlungen einräumen. Dies kostete ihn wahrscheinlich die sicher geglaubte absolute Mehrheit. Am Wahlabend gab er ein Statement ab und muss nun unerwartet in die Stichwahl gegen den Grünen-Kandidaten Dominik Krause (35).
Um weiteren Schaden zu begrenzen, gab Reiter am 11. März alle Ämter auf, die er „als Privatmann“ bei seinem Lieblingsverein ausübte. Doch damit ist die Sache nicht vom Tisch. Die Regierung von Oberbayern prüft als zuständige Aufsichtsbehörde, ob sie ein Disziplinarverfahren gegen den Oberbürgermeister einleitet. Ein Sprecher teilte mit: „Eine Entscheidung ist noch nicht erfolgt.“
Politische Hintergründe und mögliche Verzögerungen
Ein Insider gegenüber Medienberichten deutet auf politische Motive hin: „Die Prüfung könnte bis nach der Stichwahl dauern, obwohl die Beweislage recht klar ist. Das könnte damit zu tun haben, dass die CSU lieber mit SPD-Mann Reiter als mit seinem Grünen-Herausforderer Dominik Krause in München zu tun haben möchte.“ Die Regierung von Oberbayern untersteht dem CSU-geführten Innenministerium, was die politische Dimension der Angelegenheit unterstreicht.
Die Reiter-Affäre zeigt mehrere problematische Aspekte auf:
- Fehlende Transparenz bei Nebentätigkeiten von Spitzenpolitikern
- Unklare Abgrenzung zwischen privaten und amtlichen Funktionen
- Politische Einflussnahme auf behördliche Prüfverfahren
- Vorbildfunktion von Amtsträgern in Fragen der Compliance
Die Stichwahl in München wird nun unter dem Schatten dieser Affäre stattfinden. Sollte Reiter unterlegen, könnte dies das Ende seiner politischen Karriere bedeuten. Sollte er gewinnen, würde das Disziplinarverfahren weiter über ihm schweben. Die 90.000 Euro vom FC Bayern haben damit nicht nur finanzielle, sondern auch erhebliche politische und rechtliche Konsequenzen für den Münchner Oberbürgermeister.



