Münchner Oberbürgermeister entschuldigt sich für N-Wort-Äußerung
Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sich öffentlich für die Verwendung des N-Wortes während einer Stadtratssitzung entschuldigt. Der Vorfall ereignete sich in der Vollversammlung am Mittwoch, kurz vor der anstehenden Kommunalwahl, und sorgte für erhebliche Irritationen.
Spontanes Zitat als Erklärung
In einem schriftlichen Statement gab Reiter an, dass es sich bei der Äußerung um ein unbedachtes Zitat handele. „Bei der Äußerung handelt es sich um ein Zitat aus einem Stück des Künstlers Fredl Fesl, das mir spontan über die Lippen kam bei der Frage, wo wir uns in der Tagesordnung befinden“, erklärte der SPD-Politiker. Alfred Raimund „Fredl“ Fesl war ein bekannter niederbayerischer Musiker und Kabarettist, der bis 2024 lebte.
Reiter betonte ausdrücklich, dass es ihm in keiner Weise darum ging, Menschen zu verletzen oder herabzusetzen. „Wenn sich durch meine Worte jemand verletzt oder herabgesetzt gefühlt hat, bedaure ich das ausdrücklich und bitte dafür um Entschuldigung“, fügte er in seiner Stellungnahme hinzu.
Bewusstsein für historische Verantwortung
Der Oberbürgermeister wies darauf hin, dass ihm die Bedeutung des Themas vollkommen bewusst sei. „Ich bin mir bewusst, dass der Münchner Stadtrat im Jahr 2022 mit dem Beschluss ‚N-Wort ächten‘ deutlich gemacht hat, dass die Verwendung dieses Begriffs als rassistisch einzuordnen und abzulehnen ist“, so Reiter. Er unterstrich, dass er sich dieser Haltung selbstverständlich anschließe.
Als Oberbürgermeister trage er eine besondere Verantwortung für einen respektvollen, sensiblen und diskriminierungsfreien Umgang innerhalb der Stadtgesellschaft. Der Vorfall wurde zunächst vom Lokalmedium „Hallo München“ aufgedeckt und löste eine breite öffentliche Diskussion aus.
Politische Reaktionen und Kontext
Die Äußerung fällt in eine politisch sensible Phase, da die Kommunalwahlen bevorstehen. Reiters Entschuldigung wird von Beobachtern als notwendiger Schritt gewertet, um möglichen Vertrauensverlust in der Bevölkerung entgegenzuwirken. Der Stadtrat hatte bereits vor Jahren klargestellt, dass das N-Wort als rassistische Bezeichnung für Schwarze gilt und in der öffentlichen Debatte keinen Platz hat.
Experten betonen, dass solche Vorfälle die anhaltende Bedeutung von sensibler Sprache und antirassistischer Bildung in der Politik unterstreichen. Die Entschuldigung des Oberbürgermeisters wird nun daraufhin überprüft, ob sie ausreicht, um das entstandene Misstrauen zu überwinden.



