Letztes TV-Duell vor der Münchner OB-Stichwahl: Reiter und Krause im BR-Studio
Vor der entscheidenden Stichwahl am Sonntag trafen Münchens amtierender Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und sein grüner Herausforderer Dominik Krause im Bayerischen Rundfunk aufeinander. In der Sondersendung "jetzt red i extra" stand das letzte große Fernsehduell der Kontrahenten auf dem Programm, das die AZ exklusiv hinter den Kulissen begleitete.
Herzliche Stimmung vor und nach der Sendung
Während die Zuschauerinnen und Zuschauer im Studio auf ihren Einsatz warteten und sich mit bereitgestellten Butterbrezen stärkten, trafen die beiden OB-Kandidaten kurz vor Sendebeginn aufeinander. Ihre Begrüßung fiel weder überschwänglich noch besonders reserviert aus – eher wie unter Arbeitskollegen, die sich respektvoll begegnen. Bemerkenswert war die lockere Atmosphäre hinter den Kulissen: Vor Sendestart machten Reiter und Krause gemeinsam Selfies mit dem Publikum, lachten und scherzten miteinander. "So einen Aufruhr hatten wir noch nie", kommentierte eine BR-Mitarbeiterin die lebhafte Stimmung.
Ernste Töne bei der Nebentätigkeitsaffäre
Im Studio selbst entwickelte sich die Diskussion dann deutlich sachlicher. Bei Themen wie Bürokratie, Stadtentwicklung und Radwegen wirkten die beiden Kontrahenten eher wie Verwaltungsmitarbeiter, die gemeinsam dem Publikum Rede und Antwort stehen, als wie politische Gegner im erbitterten Wahlkampf. Die wirklich ernsten Momente kamen, als die Nebentätigkeiten Reiters zur Sprache kamen.
Der Amtsinhaber räumte einen Fehler aus dem Jahr 2021 ein, als er vergessen habe, für Nebeneinkünfte eine Genehmigung einzuholen. Mit deutlicher Kritik reagierte er auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung: "Dass es zufällig drei Wochen vor der Wahl nach oben gekommen ist, da kann sich jeder selber seinen Reim drauf machen." Diese Äußerung deutete darauf hin, dass Reiter eine gezielte Schmutzkampagne vermutet. Krause hielt sich mit direkten Kommentaren zu dem Skandal zurück und blieb bei seiner bisherigen Taktik, sich nicht öffentlich zu den Vorwürfen zu äußern.
Offene Fragen und parteiübergreifende Kritik
Trotz Reiters Aussage, die Angelegenheit sei "komplett geklärt", sehen es andere im Rathaus parteiübergreifend anders. Zahlreiche Medienanfragen zu möglichen teuren VIP-Tickets in seinen ersten Jahren als Verwaltungsbeirat des FC Bayern ließ der Oberbürgermeister unbeantwortet. Auch die Regierung von Oberbayern wartet weiter auf eine Stellungnahme Reiters, um über ein mögliches Disziplinarverfahren entscheiden zu können.
Interessant war die Anwesenheit von Münchens Grünen-Fraktionschefin Mona Fuchs im Publikum, die allerdings – wie alle Parteifunktionäre und Amtsträger – auf Anweisung des Moderators nicht zu Wort kommen durfte. Nach Sendeschluss beantworteten die Kandidaten noch einige offene Fragen zu Bildung und ÖPNV-Ausbau, bevor sie sich zu weiteren Wahlkampfterminen auf den Weg machten.
Herzlicher Abschied trotz politischer Differenzen
Der Abschied zwischen den Kontrahenten fiel nach dem Duell überraschend herzlich aus: Lässig schlugen sie einander auf die Schulter und umarmten sich sogar kurz. Dieses Bild kontrastierte deutlich mit den ernsten Diskussionen über Reiters Nebentätigkeiten und unterstrich die professionelle, wenn auch durchaus konkurrierende Beziehung der beiden Stadtpolitiker.
Neben dem Münchner Duell begleitete die BR-Sondersendung auch die Oberbürgermeister-Rennen in Nürnberg, Regensburg, Bamberg und Erlangen. Für die Münchner Stichwahl am Sonntag bleibt die Frage: Wer macht das Rennen – der erfahrene Amtsinhaber Reiter oder der grüne Herausforderer Krause?



