Prominente bei Kommunalwahl in Bayern: Von Koch bis Klatschreporter
Wenn am Sonntag in Bayern die Kommunalwahlen stattfinden, stehen auf vielen Listen Namen von Kandidaten, die man aus ganz anderen Bereichen als der Politik kennt. Von Starköchen über Klatschreporter bis hin zu Schauspielern und Sportlern – die Bandbreite der prominenten Bewerber ist bemerkenswert groß und spiegelt die Vielfalt der bayerischen Gesellschaft wider.
Michael Graeter: Vom Klatschreporter zum Stadtratskandidaten
Der heute 84-jährige Michael Graeter war über Jahrzehnte eine Institution unter den Münchner Klatschreportern und diente als Vorlage für die Figur des Baby Schimmerlos in Helmut Dietls Kultserie Kir Royal. Jetzt kandidiert er auf Platz zwölf der München-Liste für den Stadtrat. Graeter kritisiert vehement das Verschwinden des Bargeldes, die Schließung von Sparkassenfilialen und plädiert für die Abschaffung der Hundesteuer sowie der Bezirksausschüsse. Auf seinen Wahlplakaten prangt der provokante Satz: Damit Sie sich nicht Rot-Grün ärgern. Seine politischen Ansichten sind deutlich konservativ geprägt; er äußert sich abfällig über Angela Merkel, die Grünen und den Frauenfußball. Sollte die Wahl nicht erfolgreich verlaufen, plant er ein Buch mit bisher unveröffentlichten Enthüllungsgeschichten über die deutsche Politik.
Weitere prominente Gesichter in der Münchner Politik
Neben Graeter strebt auch die ehemalige Bunte-Chefin Patricia Riekel einen Sitz im Münchner Stadtrat an. Die 76-jährige FDP-Politikerin ist bereits Fraktionsvorsitzende im Bezirksausschuss Bogenhausen und wirbt mit dem Slogan Aus Liebe zu München. Ein weiterer bemerkenswerter Kandidat ist der Schauspieler Erwin Aljukic, bekannt aus der ARD-Serie Marienhof. Aljukic setzt sich für die Sichtbarkeit von Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderungen ein und kritisiert, dass es derzeit keinen Rollstuhlfahrer im Stadtrat gibt. Er kandidiert für die Linke auf Listenplatz acht.
Prominenz aus Sport und Gastronomie
In Oberfranken bewirbt sich der Sternekoch Alexander Herrmann für den Kreistag Kulmbach auf dem letzten Platz der CSU-Liste. Ich will nicht in die große Politik einsteigen, sondern den regionalen Austausch intensivieren, betont Herrmann. Im Landkreis Fürstenfeldbruck tritt die Kriegsreporterin Ronja von Wurmb-Seibel für die Grünen als Landrätin an und fordert den langjährigen Amtsinhaber Thomas Karmasin heraus. Sportlich geht es in Rott am Lech zu, wo der ehemalige Fußball-Nationalspieler Andreas Görlitz für den Gemeinderat kandidiert. Görlitz, der früher beim FC Bayern München und 1860 München spielte, möchte seine Heimatgemeinde aktiv mitgestalten. Ebenfalls sportlich unterwegs ist der Extremkletterer Alexander Huber, der im Gemeinderat von Marktschellenberg Fuß fassen möchte.
Diese vielfältigen Kandidaten zeigen, dass die Kommunalpolitik in Bayern zunehmend auch für Personen außerhalb des politischen Establishments attraktiv wird. Ihre Motivationen reichen von lokalem Engagement bis hin zu grundsätzlicher Kritik an bestehenden Strukturen. Die Wahl am Sonntag wird zeigen, ob die Wähler diesen unkonventionellen Ansatz honorieren und den Prominenten den Einzug in die kommunalen Gremien ermöglichen.



