Münchens Oberbürgermeister tritt von FC-Bayern-Ämtern zurück
In einer überraschenden Wendung hat Münchens amtierender Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) seine Mandate beim FC Bayern München mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der Schritt erfolgt nach wochenlanger Kritik an nicht genehmigten Nebeneinkünften aus seiner Tätigkeit für den Fußballverein, die kurz vor der Oberbürgermeisterwahl öffentlich wurden und vermutlich zu seinem enttäuschenden Wahlergebnis beitrugen.
90.000 Euro für soziale Projekte
In einer ausführlichen Erklärung gab Reiter bekannt, dass er die gesamten Vergütungen aus seiner Mitgliedschaft im Verwaltungsbeirat des FC Bayern in Höhe von 90.000 Euro an soziale Projekte spenden wird. "Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner steht für mich über allem", betonte der Oberbürgermeister in seinem Statement. Das Geld soll an das Projekt Mini München und den Verein "Bunt kickt gut" fließen, die sich für Zusammenhalt, Integration und Demokratie einsetzen.
Reiter räumte ein, dass ihm in den vergangenen Tagen deutlich gemacht worden sei, "dass ich hier eine eindeutige und unzweifelhafte Entscheidung treffen muss". Der langjährige Bayernfan verzichtet damit sowohl auf sein Aufsichtsratsmandat als auch auf sein Amt als Verwaltungsbeiratsvorsitzender sowie die Mitgliedschaft im Verwaltungsbeirat.
Kritik an nicht genehmigten Nebeneinkünften
Die Kontroverse begann, als bekannt wurde, dass Reiter seine Nebentätigkeit beim FC Bayern dem Stadtrat nicht zur Genehmigung vorgelegt hatte. Besonders brisant: Die Einkünfte aus seiner Position im Verwaltungsbeirat beliefen sich auf mindestens 80.000 Euro seit 2021, wobei vor 2025 alle Nebeneinkünfte ab dem ersten Euro genehmigungspflichtig waren. Aktuell gilt eine Grenze von 10.000 Euro pro Jahr.
Diese Enthüllungen fielen genau in den Wahlkampf für die Oberbürgermeisterwahl, bei der Reiter mit nur 35,6 Prozent der Stimmen deutlich hinter den Prognosen zurückblieb. Sein Herausforderer Dominik Krause von den Grünen erreichte überraschend 29,5 Prozent und zieht damit in die Stichwahl ein. An der Wahlurne wurde Reiter sogar von seinem zweiten Bürgermeister übertrumpft.
Politische Konsequenzen und weitere Aufklärung
Reiter hatte bereits vor seiner endgültigen Entscheidung in einem Interview mit dem BR-Politikmagazin "Kontrovers" angedeutet, über einen Rücktritt von den FC-Bayern-Mandaten nachzudenken. "Ich werde auch rechtzeitig mich dazu äußern", hatte er damals versprochen.
Nun kündigte der Oberbürgermeister an, dass weitere Fragen zu seiner Tätigkeit beim FC Bayern in einer Beschlussvorlage für den Stadtrat sowie gegenüber der Regierung von Oberbayern beantwortet werden sollen. Vor der anstehenden Stichwahl gegen Dominik Krause will Reiter den Münchner Bürgerinnen und Bürgern auf der Straße Rede und Antwort stehen.
Die Entwicklung zeigt, wie politische Ämter und wirtschaftliche Nebentätigkeiten zunehmend kritisch hinterfragt werden. Reiters Entscheidung, die gesamten Vergütungen zu spenden, wird als Versuch gewertet, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und politische Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.



