Reiters umstrittene FC-Bayern-Vergütung fließt in soziale Projekte
Der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat sein Wahlversprechen erfüllt und die umstrittenen 90.000 Euro aus seiner Tätigkeit beim FC Bayern an zwei Münchner Initiativen gespendet. Wie die AZ in Erfahrung bringen konnte, haben sowohl der Integrationsverein "Bunt kickt gut" als auch die Spielstadt "Mini München" jeweils 45.000 Euro erhalten.
Ein Skandal vor der Kommunalwahl
Die Vergütung war kurz vor der Kommunalwahl öffentlich geworden und hatte für erhebliche Empörung gesorgt. Reiter hatte für seine Position im Verwaltungsbeirat des FC Bayern eine Genehmigung des Stadtrats benötigt, die jedoch nicht vorlag. Zudem hatte er ohne Kenntnis des Stadtrats einen Posten im Aufsichtsrat des Vereins angenommen, wo er vermutlich weitere Einkünfte erzielt hätte.
Noch vor der Stichwahl kündigte Reiter an, sämtliche Einnahmen aus seiner FC-Bayern-Tätigkeit zu spenden. "Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner ist mir wichtiger als Mandate oder Vergütungen", erklärte er damals. Trotz dieser Geste verlor er die Wahl gegen den 35-jährigen Grünen Dominik Krause.
Die Empfänger der Spende
Margit Maschek, Projektleiterin von "Mini München", zeigt sich dankbar: "Wir bedanken uns sehr bei Dieter Reiter. Wir freuen uns über jede Spende – und über so eine großzügige natürlich besonders." Die Spielstadt steht aktuell vor finanziellen Herausforderungen, da die städtischen Zuschüsse von 970.000 auf 500.000 Euro gekürzt wurden. "Mini München" findet zwar auch dieses Jahr im Showpalast Fröttmaning statt, allerdings auf reduzierter Fläche.
Rüdiger Heid vom Verein "Bunt kickt gut" bezeichnet die Spende als "enorme Erleichterung". Der Integrationsverein betreut rund 2000 Kinder und Jugendliche und ist trotz städtischer Förderungen regelmäßig unterfinanziert. Heid freut sich nicht nur über das Geld, sondern auch über den neu entstandenen Kontakt zu "Mini München": "Vielleicht werden wir jetzt auch gemeinsam Projekte starten."
Reiters gesundheitliche Situation
Dieter Reiter selbst äußert sich nicht zu der Spende. Seine Sprecherin verweist auf seine anhaltende Krankschreibung. Nach der verlorenen Wahl ließ sich Reiter mit einer "ernsthafteren Herz-Kreislauf-Erkrankung" krankschreiben. Er bleibt bis zum 1. Mai offiziell Oberbürgermeister, bevor Dominik Krause das Amt übernimmt.
Über den Zeitpunkt der Amtsübergabe gibt es noch keine Klarheit. "Da der OB nach wie vor krankgeschrieben ist, gibt es noch keine konkreten Pläne für die Übergabe der Amtsgeschäfte", teilt die Sprecherin mit. Ein kurzes Lebenszeichen gab Reiter jedoch durch die Reaktivierung seines Instagram-Accounts, der nach der Wahl zunächst verschwunden war.
Laut seiner Social-Media-Managerin dient dies jedoch nur dazu, die öffentlichen Inhalte dem Stadtarchiv zur Verfügung zu stellen. Der Account soll nach sieben Tagen wieder deaktiviert werden. Bilder aus dem Ruhestand wird Dieter Reiter dort also nicht posten.



