Reiters FCB-Rückzug: Politikwissenschaftlerin zweifelt an Glaubwürdigkeit vor Stichwahl
Reiters FCB-Rückzug: Zweifel an Glaubwürdigkeit vor Stichwahl

Reiters Rückzug vom FC Bayern: Zu spät für verlorenes Vertrauen?

Nach dem enttäuschenden Ergebnis bei der Münchner Kommunalwahl hat Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) Konsequenzen gezogen und seine Ämter beim FC Bayern München niedergelegt. Doch ob dieser Schritt ausreicht, um das verlorene Vertrauen der Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen, bezweifelt Politikwissenschaftlerin Ursula Münch deutlich.

„Verschleppte Entscheidung“ ohne Überzeugungskraft

„Mich überzeugt es nicht“, erklärte die Leiterin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Aus ihrer Sicht wirkt der Rückzug Reiters vom FC Bayern wie eine verschleppte Notbremse, die zu spät gezogen wurde. „Es bleiben Zweifel an der Glaubwürdigkeit, weil die Entscheidung jetzt nicht mehr anders geht“, so Münch weiter.

Die Politikwissenschaftlerin sieht bei Reiter eine Folge von Kommunikationsfehlern, bei der sowohl die klare Entscheidung als auch eine Entschuldigung viel zu lange auf sich warten ließen. Insofern habe sie erhebliche Bedenken, ob dieser Schritt die enttäuschten Anhänger Reiters vor der anstehenden Stichwahl noch überzeugen könne.

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Offene Stichwahl trotz Amtsbonus

Am 22. März muss sich Dieter Reiter in der Stichwahl gegen den Grünen-Kandidaten Dominik Krause behaupten. Münch betont zwar, dass Reiter mit Amtsbonus und einem Vorsprung aus dem ersten Wahlgang weiterhin als Favorit gelte, doch die Ausgangslage sei keineswegs klar. „Die Stichwahl ist absolut offen“, stellt die Expertin fest.

Besonders bemerkenswert findet Münch das taktische Vorgehen von CSU-Chef Markus Söder, der nach der ersten Wahlrunde bewusst keine Wahlempfehlung für die CSU-Anhänger ausgesprochen habe. Damit umgehe er geschickt die Gefahr, dass seine eigene Glaubwürdigkeit leiden könnte, falls sich der von ihm empfohlene Kandidat nicht durchsetzen würde.

Linke fordert mehr als nur Rückzug

Die Stadtratsfraktion „Die Linke/Die Partei“ geht in ihrer Kritik noch einen Schritt weiter. Fraktionschef Stefan Jagel erklärt: „Es ist die richtige Konsequenz, dass Reiter nach einer Entschuldigung nun auch die Ämter niederlegt. Aber ich glaube nicht, dass es genug ist, um das verloren gegangene Vertrauen in das Amt und die gesamte Politik wiederherzustellen.“

Der Linken-Politiker verweist auf vorliegende Papiere, die nahelegen, dass Reiter in der Hauptversammlung des FC Bayern nicht nur gewählt worden sei, sondern dass seine Vergütung auf 50.000 Euro jährlich festgelegt worden sei. Damit erscheine Reiters Aussage, er wisse nicht, ob er überhaupt Geld dafür bekomme, „nicht sehr plausibel“.

„Maßstab jenseits von Geld“

Jagel fordert bis nächste Woche eine vollständige Offenlegung aller Details zu Dauer, Entlohnung und Ablauf der Ereignisse. „Die Karten liegen immer noch nicht offen auf dem Tisch. Reiter muss vor der Wahl für volle Transparenz sorgen“, betont der Linken-Chef. „Nur ein Rückzug und Spenden reicht nicht. Es gibt einen Maßstab jenseits von Geld.“

Die Fraktion erwartet, dass den Vorwürfen auch rechtlich nachgegangen wird, um den Menschen zu zeigen, dass auch ein Oberbürgermeister mit solchen Verstrickungen nicht durchkommt. Gleichzeitig plädiert Jagel für eine Erhöhung der Gewerbesteuer um zehn Prozent, um kommunale Handlungsspielräume zu erweitern.

Reiters persönliche Begründung

Dieter Reiter selbst begründete seinen Schritt mit den Worten: „Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner ist mir wichtiger als Mandate oder Vergütungen. Ich hoffe sehr, dass das durch diese Entscheidung deutlich wird.“ Der 67-Jährige räumte ein: „Eine Entscheidung, die mir als Bayernfan seit Kindheit definitiv nicht leicht gefallen ist.“

Ob diese persönliche Note und der verspätete Rückzug ausreichen, um die Wählerinnen und Wähler in der Stichwahl zu überzeugen, bleibt abzuwarten. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Reiters Glaubwürdigkeitsschaden noch vor der entscheidenden Wahl behoben werden kann.

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