Suspendierter Göttinger Landrat Marcel Riethig will erneut kandidieren
Der suspendierte Göttinger Landrat Marcel Riethig hat angekündigt, bei der kommenden Kommunalwahl am 13. September erneut für sein bisheriges Amt zu kandidieren. Anders als in der Vergangenheit wird er dabei nicht für die SPD antreten, sondern als parteiloser Kandidat. Dies gab Riethig in einer aktuellen Pressemitteilung bekannt, nachdem verschiedene Medien bereits über seine Pläne berichtet hatten.
Vorwürfe und Suspendierung
In den vergangenen Wochen waren schwere Vorwürfe gegen die Amtsführung von Marcel Riethig laut geworden. Das Innenministerium reagierte darauf und suspendierte den Landrat vorläufig vom Dienst. Zuvor hatte Riethig bereits seine Landratskandidatur für die SPD zurückgezogen. Die Vorwürfe beziehen sich unter anderem auf mögliche Vetternwirtschaft und Rechtsverstöße, die in einem Beschwerdebrief von Kreisräten an die Kommunalaufsicht dokumentiert wurden.
Im Februar übergaben die Kreisrätinnen Doreen Fragel (Grüne), Marlies Dornieden (CDU) sowie der Kreisrat Conrad Finger (SPD) diesen Beschwerdebrief. Das Schreiben soll eine Reihe von Sachverhalten enthalten, die Dienstvergehen belegen sollen. Aufgrund dieser Vorwürfe leitete das Innenministerium ein formales Disziplinarverfahren ein, das zur vorläufigen Dienstenthebung Riethigs führte.
Riethigs Reaktion und Kandidatur
Marcel Riethig weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden zurück. In einem Beitrag auf Facebook hatte er bereits zuvor die Anschuldigungen zu Vetternwirtschaft und Rechtsverstößen zurückgewiesen. In seiner aktuellen Mitteilung betont er, dass die Bürger des Landkreises Göttingen an der Wahlurne entscheiden sollen, ob er das Amt weiterführen darf.
„Ob ich als Landrat das Amt weiterführen soll, das müssen die Bürger des Landkreises an der Wahlurne entscheiden“, schreibt Riethig. Ihm gehe es mit seiner Kandidatur auch um das Prinzip der Gerechtigkeit. Er möchte sich direkt dem Votum der Wähler stellen, anstatt sich auf politische oder administrative Verfahren zu verlassen.
Politische Reaktionen
Der Kreisverband der CDU Göttingen hat Riethigs Entscheidung, erneut zu kandidieren, scharf kritisiert. In einer eigenen Mitteilung heißt es, der Landkreis verdiene Besseres als ein Weiter so. Es brauche stattdessen einen Neuanfang mit den Werten Klarheit, Anstand und Verlässlichkeit. Diese Kritik unterstreicht die politischen Spannungen, die mit dem Fall verbunden sind.
Das Innenministerium betonte indes, dass die Suspendierung keine wertende Vorfestlegung darstelle. Für einige der Riethig vorgeworfenen Dienstvergehen gebe es jedoch zureichende tatsächliche Anhaltspunkte, die das Disziplinarverfahren rechtfertigen. Das Verfahren läuft derzeit noch, und seine Ergebnisse könnten die Wahlkampfdynamik beeinflussen.
Ausblick auf die Kommunalwahl
Die Kommunalwahl am 13. September wird somit zu einem entscheidenden Moment für Marcel Riethig und den Landkreis Göttingen. Riethigs Kandidatur als Parteiloser könnte die politische Landschaft verändern, insbesondere da er zuvor als SPD-Mitglied agierte. Die Wähler müssen nun abwägen zwischen den Vorwürfen, die zu seiner Suspendierung führten, und seinem Anspruch auf eine faire demokratische Entscheidung.
Die Entwicklung zeigt, wie persönliche und politische Kontroversen lokale Wahlen prägen können. Unabhängig vom Ausgang des Disziplinarverfahrens wird Riethigs Kampf um sein Amt ein zentrales Thema im Wahlkampf bleiben, das die Debatte über Transparenz und Verantwortung in der Kommunalpolitik schärft.



