Historischer Wahl-Schock in Dänemark: Sozialdemokraten stürzen ab
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (48) und ihre Sozialdemokraten haben bei der Parlamentswahl am Dienstag eine historische Niederlage erlitten. Die Partei fuhr das schlechteste Ergebnis seit mehr als einem Jahrhundert ein und verlor deutlich an Unterstützung.
Dramatische Verluste für Regierungspartei
Nach den vorläufigen Ergebnissen kommen die Sozialdemokraten nur noch auf etwa 38 Sitze im 179-köpfigen Parlament – ein dramatischer Rückgang im Vergleich zu den 50 Mandaten bei der Wahl vor vier Jahren. Frederiksens bisherige Drei-Parteien-Koalition der politischen Mitte ist damit von einer parlamentarischen Mehrheit weit entfernt.
Trotz dieser schweren Verluste liegt der linke Block unter Führung der Sozialdemokraten mit insgesamt 84 Sitzen knapp vor dem rechten Lager, das 77 Sitze erreichte. Die absolute Mehrheit wurde jedoch klar verfehlt.
Frederiksen bewirbt sich trotzdem für dritte Amtszeit
In der Wahlnacht zeigte sich die amtierende Regierungschefin kämpferisch. „Wir haben unter sehr schwierigen Bedingungen die Regierungsverantwortung gehabt“, sagte Frederiksen. Unter diesen Voraussetzungen bezeichnete sie das Wahlergebnis ihrer Partei als „okay“.
„Dänemark braucht jetzt eine stabile Regierung. Ich bin bereit, die Verantwortung zu übernehmen“, erklärte die Sozialdemokratin. Gleichzeitig räumte sie ein: „Es wird schwierig.“
Einwanderungskritische Volkspartei als großer Gewinner
Den größten Wahlsieg feierte die einwanderungskritische Dänische Volkspartei unter Morten Messerschmidt (45). Die Partei vervierfachte ihren Stimmenanteil auf 9,1 Prozent und positionierte sich als klare Gewinnerin des Wahlabends.
„Dies zeigt deutlich, dass die Dänen die Nase voll haben und eine andere Richtung für Dänemark wollen“, kommentierte Messerschmidt seinen Triumph.
Abstrafung von links und rechts
Politische Beobachter analysieren die Niederlage der Sozialdemokraten als Abstrafung aus beiden politischen Lagern. Während linke Wähler Frederiksens harte Migrationspolitik als zu weitgehend kritisierten, stuften Wähler aus dem rechten Spektrum die Regierungschefin in Wirtschaftsfragen als nicht vertrauenswürdig ein.
Die Themen Lebenshaltungskosten und Migrationspolitik dominierten den Wahlkampf und verdrängten Frederiksens außenpolitische Erfolge in den Hintergrund. Die seit 2019 amtierende Ministerpräsidentin hatte im Wahlkampf insbesondere mit ihrer Führungskompetenz in Krisenzeiten geworben – etwa im Umgang mit US-Präsident Donald Trump (79) in der umstrittenen Grönland-Frage.
Komplizierte Regierungsbildung steht bevor
Die Partei der Moderaten unter dem ehemaligen Ministerpräsidenten Lars Lokke Rasmussen könnte nun eine entscheidende Rolle bei der Regierungsbildung spielen. Mit 14 errungenen Sitzen könnte sie im anstehenden Machtpoker zur Königsmacherin werden.
Die übrigen vier Parlamentssitze werden von je zwei Vertretern der Autonomiegebiete Färöer-Inseln und Grönland besetzt, was die ohnehin komplexe parlamentarische Mathematik zusätzlich verkompliziert.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Mette Frederiksen tatsächlich eine dritte Amtszeit antreten kann oder ob Dänemark eine neue politische Ära bevorsteht. Die Verhandlungen zur Regierungsbildung versprechen angesichts der fragmentierten Sitzverteilung schwierig zu werden.



