Der Präsident von Real Madrid, Florentino Pérez, hat auf einer Pressekonferenz heftig gegen die spanische Presse ausgeteilt. Er warf den Medien vor, Lügen und falsche Behauptungen zu verbreiten. „Sie glauben, sie könnten mich einschüchtern, aber sie geben mir viel mehr Energie, als ich ohnehin habe“, sagte Pérez. Während der Pressekonferenz zückte er immer wieder sein Telefon und suchte Artikel heraus, die in spanischen Medien erschienen sind. „Journalisten denken, sie beeinflussen die Entscheidungen bei diesem Club, weil sie denken, sie seien wichtig. Aber das ist nicht der Fall“, erklärte Pérez. Er bezeichnete die Berichterstattung über ihn und den Verein als eine „Kampagne“.
Laut spanischen Medien sprach Pérez dabei in „Lichtgeschwindigkeit“ und erhob immer neue Vorwürfe. So behauptete er, das digitale Medium „Revelo“ sei von der Tageszeitung „ABC“ nur kreiert worden, um Real Madrid zu schaden. Mittlerweile gibt es „Revelo“ nicht mehr. Im Anschluss verwechselte er offenbar einen Journalisten: Pérez dachte, er gehöre zu „Revelo“, der Mann arbeitet aber laut „AS“ für „ABC“. Zudem sei ihm unterstellt worden, er leide unter Krebs im Endstadium. „Meine Gesundheit ist perfekt“, betonte Pérez.
Die Berichterstattung der „ABC“, wonach er amtsmüde sei, „ergibt absolut keinen Sinn. Ich stehe früh auf und gehe als Letzter ins Bett. Ich arbeite wie ein Tier“, so Pérez. Real Madrid steht nur noch einen Punktverlust entfernt von der zweiten Saison nacheinander ohne wichtigen Titel – das gab es zuletzt vor 20 Jahren. Zudem sollen Spieler regelmäßig aneinandergeraten. Der stellvertretende Mannschaftskapitän Federico Valverde landete nach übereinstimmenden Medienberichten infolge eines Streits mit Aurélien Tchouaméni gar mit einer Platzwunde im Krankenhaus. Kabinenzoff, sportlicher Misserfolg, „Kindergarten“ statt Profifußball – was ist los bei Real Madrid? „Ich teile die Enttäuschung“, sagte Pérez. Unter seiner Präsidentschaft habe Real aber 66 Titel im Fußball und Basketball gewonnen, darunter siebenmal die Champions League.
Neuwahlen, aber kein Rücktritt
Pérez hatte die Pressekonferenz mit nur knapp zwei Stunden Vorlaufzeit nach einer Vorstandssitzung einberufen. Er kündigte zunächst zwar Neuwahlen an, will dabei aber selbst mit seinem gesamten Vorstand wieder antreten. „Ich bedauere, sagen zu müssen, dass ich nicht aufhöre“, sagte Pérez ironisch. Der Bauunternehmer war erst im vergangenen Jahr bis 2029 gewählt worden. Nach zwei ersten Amtszeiten zwischen 2000 und 2006 leitet Pérez bereits seit 2009 ohne Unterbrechung die Geschicke von Real Madrid.
Das spanische Medium „AS“ berichtet, dass Real Madrid laut Statuten ab Dienstag zwei Tage Zeit hat, Neuwahlen auszurufen. Anschließend haben mögliche Kandidaten zehn Tage Zeit, sich zu bewerben. Die Kandidaten müssten in dieser Zeit acht weitere Personen für einen potenziellen Vorstand gewinnen und gemeinsam eine Garantie von ungefähr 187 Millionen Euro aufbringen. Zudem muss der Präsidentschaftsanwärter seit 20 Jahren und der kandidierende Vizepräsident seit 15 Jahren Mitglied des Vereins sein.
Aus diesen Gründen erscheint es nahezu ausgeschlossen, dass es eine andere Kandidatur als die von Florentino Pérez geben wird. Pérez kandidierte schon 2009, 2013, 2017, 2021 und 2025 ohne Gegenkandidaten. Die Neuwahl gleicht demnach eher einer Art Vertrauensfrage. Zudem ist weiter unklar, wer die Mannschaft nach dem Sommer trainiert. Im Laufe der Saison hatte sich Real von Xabi Alonso getrennt. Dessen Nachfolger Álvaro Arbeloa steht nun ebenfalls vor dem Aus. Pérez könnte den von ihm sehr geschätzten, aber von großen Teilen des Anhangs abgelehnten Ex-Klubcoach José Mourinho durchzusetzen versuchen. Am Dienstag verdichteten sich die Gerüchte. Sportliche Fragen wollte Pérez aber nicht beantworten.



