Hönes Rückzug: Richtige Entscheidung für die FDP
Hönes Rückzug: Richtige Entscheidung für die FDP

Die Entscheidung über den FDP-Vorsitz ist gefallen: Henning Höne zieht seine Kandidatur zurück und macht den Weg frei für Wolfgang Kubicki. Dass der Zweikampf um den Vorsitz der Liberalen beendet wurde, ist richtig und überfällig. Um zu überleben, braucht die Partei beide: den erfahrenen Kubicki und den jungen Höne. Ein Duell auf dem Bundesparteitag hätte die ohnehin zerstrittene Partei weiter entzweit. Ein Kommentar.

Wettbewerb als Chance und Risiko

Wettbewerb tut gut, belebt eine Partei und schafft Aufmerksamkeit. Diese Argumente trafen in den vergangenen Wochen auf die FDP zu. Seit Wolfgang Kubicki am Ostersonntag seine Kandidatur gegen Henning Höne ankündigte, fühlten sich die Liberalen plötzlich wieder relevant. Die Geschichte schien perfekt: der 74-jährige Haudegen Kubicki gegen den 39-jährigen Höne, der beinahe jugendlich wirkt. Hier der Poltergeist aus Kiel, dort der abwägende Westfale. Rechtsliberal gegen Mitte. Ein perfekter Zweikampf mit einem Finale auf dem Bundesparteitag Ende Mai.

Doch Höne zieht nun die Reißleine. In einem gemeinsamen Interview mit der FAZ verkündete er seinen Rückzug. Das ist die richtige Entscheidung – für ihn persönlich, vor allem aber für die FDP. Vielleicht kommt sie sogar einen Moment zu spät. Höne ist Vorsitzender des mit Abstand größten Landesverbands Nordrhein-Westfalen, doch selbst unter den NRW-Delegierten hatte Kubicki dem Vernehmen nach regen Zuspruch. So fleißig Höne in den vergangenen Wochen Parteiveranstaltungen besucht hat: Jedes Mal dürfte ihm bewusst geworden sein, wie stark der Rückhalt für Kubicki ist. Der konnte es sich zuletzt sogar erlauben, den Kongress des Parteinachwuchses zu schwänzen. Höne war natürlich da.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kubicki wäre nicht zu schlagen gewesen

Sein Rückzug dürfte mit der Erkenntnis zu tun haben, Kubicki nicht schlagen zu können. Aber manchmal ist es in der Politik besser, einer Niederlage aus dem Weg zu gehen. Höne hat genügend Zeit, nach Kubicki Vorsitzender der FDP zu werden – wenn es sich dann überhaupt noch lohnt. Denn die Liberalen befinden sich nach all den Wahlniederlagen der jüngeren Vergangenheit in der schlimmsten Krise ihrer Geschichte. Niemand weiß, ob die Partei noch zu retten ist. Aber wenn, dann nur mit Kubicki und Höne zusammen. Mit klarer Kante und neuen Ideen. Mit einem gehörigen Schuss Populismus und Reflexion. Mit bekanntem Personal neben dem künftigen Vorsitzenden und frischen Gesichtern. Kubicki soll Chef der Freien Demokraten werden, Höne eine Art erster stellvertretender Vorsitzender – das ist der Plan.

Jetzt können sie das den FDP-Mitgliedern noch halbwegs glaubhaft verkaufen. Nach dem Showdown auf dem Parteitag wäre das kaum mehr möglich gewesen. Denn die Lager in der Partei – hier die eher Konservativen, dort die Progressiven – sind so gespalten wie nie zuvor. Kubicki oder Höne – das sollte auch eine Richtungsentscheidung sein. Aber die Freien Demokraten brauchen ihre ganze Breite, um überleben zu können.

Höne muss seine Leute bei der Stange halten

„Wir müssen alle zusammenführen, denen Freiheit wichtig ist“, sagt Höne. Er weiß, dass hinter ihm bedeutende Liberale stehen, die unter einem Vorsitzenden Kubicki den Ausverkauf der FDP ihrer Facon sehen. Wenige Wochen vor dem Parteitag hat er nun die Möglichkeit, diese Wogen zu glätten. Höne kann dafür sorgen, dass viele trotz Kubicki bei der Stange bleiben. Aber auch der künftige Vorsitzende trägt schon vor seiner Wahl Verantwortung für die ganze Partei. Kubicki muss versuchen, mehr zu integrieren und weniger zu provozieren – auch innerhalb der Liberalen. Vielleicht wird die Arbeitsteilung nach dem Parteitag dann so funktionieren: ein Mann fürs Grobe und einer für die Nuancen. Laut und leise. Es ist wohl die letzte Chance der FDP.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration