Reservistenverband fordert Altersgrenze von 70 Jahren für Bundeswehr-Reservisten
Der neue Präsident des Reservistenverbandes, Bastian Ernst, setzt sich für eine deutliche Anhebung der Altersgrenze für Reservisten ein, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärte er: »Wir sollten die Altersgrenze für Reservisten von 65 auf 70 Jahre erhöhen«. Ernst verwies dabei auf den demografischen Wandel und die steigende Lebenserwartung, die es ermöglichen, dass Menschen länger fit und leistungsfähig bleiben.
Ressourcen erfahrener Kräfte nutzen
»Die Leute bleiben länger fit. Wir sollten diese Ressourcen von Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung nicht verschwenden«, betonte Ernst. Er wies darauf hin, dass parallel zum steigenden Renteneintrittsalter auch die Altersgrenze für Reservisten angepasst werden müsse. »Und wenn wir auf Seite der Jungen ein Nachwuchsproblem beklagen, dann sollten wir an der anderen Seite der Alterspyramide ebenfalls nachbessern.« Diese Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die neue deutsche Militärstrategie sowie das aktualisierte Fähigkeitsprofil der Bundeswehr vorstellen wird.
Kritik am Freiwilligkeitsprinzip für Arbeitgeber
Derzeit sind Reservisten der Bundeswehr nicht verpflichtet, an Wehrübungen teilzunehmen. Sowohl die Reservisten selbst als auch ihre Arbeitgeber müssen einer Wehrübung zustimmen. An diesem Freiwilligkeitsprinzip gibt es bereits seit längerer Zeit Kritik. Ernst plädiert dafür, das Einspruchsrecht der Arbeitgeber abzuschaffen. »Sie sollten kein Einspruchsrecht haben, wenn Reservisten zu Übungen eingezogen werden sollen. Die Reservisten selbst sollten wir aber nicht zwingen«, so seine klare Position. Dies soll die Planbarkeit und Verfügbarkeit der Reservisten verbessern.
Unklare Zahlen und zukünftige Ziele
Die genaue Anzahl der aktuell verfügbaren Reservisten ist laut Ernst derzeit nicht präzise bekannt. Bekannt ist lediglich, dass acht bis neun Millionen Menschen in der Vergangenheit bei der Bundeswehr gedient haben und etwa 60.000 Reservisten beordert, also fest eingeplant und schnell verfügbar sind. Der Reservistenverband selbst zählt rund 110.000 Mitglieder. »Aufgabe der neuen Wehrerfassung wird es jetzt sein, die Zahl genau zu erfassen«, erklärte Ernst. Langfristig soll die Bundeswehr bis 2035 auf mindestens 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservisten anwachsen. Diese Reserve soll maßgeblich aus den Personen aufgebaut werden, die den neuen Wehrdienst leisten, für den seit Jahresbeginn die gesetzlichen Grundlagen geschaffen wurden.



