AfD Sachsen-Anhalt: Neue Vetternwirtschaftsvorwürfe um lukrative Jobs für Familienmitglieder
AfD Sachsen-Anhalt: Vetternwirtschaftsvorwürfe um Familienjobs

AfD Sachsen-Anhalt: Neue Vetternwirtschaftsvorwürfe um lukrative Jobs für Familienmitglieder

In Sachsen-Anhalt werden immer mehr Fälle bekannt, in denen Familienangehörige von AfD-Politikern bei anderen Abgeordneten der Partei beschäftigt worden sind. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist auch AfD-Landeschef Martin Reichardt betroffen. Seine Frau war beim Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt angestellt. Medienberichten zufolge soll außerdem ein zweites enges Familienmitglied Reichardts bei Schmidt beschäftigt gewesen sein.

Weitere Fälle von Familienanstellungen bei der AfD

Zuvor hatte unter anderem die „Magdeburger Volksstimme“ berichtet, dass zeitweilig auch die Frau von AfD-Fraktionsvize Hans-Thomas Tillschneider bei Schmidt beschäftigt war. Vom parlamentarischen Geschäftsführer Tobias Rausch sollen drei Geschwister bei einer AfD-Bundestagsabgeordneten angestellt sein. Zudem soll der Vater von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund laut weiteren Medienberichten mehr als 7.500 Euro monatlich als Mitarbeiter im Bundestagsbüro eines weiteren AfD-Parteikollegen erhalten haben.

Siegmund teilte dazu auf Anfrage knapp mit: „Das wird in den nächsten Tagen aufgeklärt werden.“ Vor ein paar Tagen hatte sich Siegmund zu den Berichten in Videos auf der Plattform „X“ geäußert und gesagt, er hätte selbst überhaupt kein Problem damit, ein Familienmitglied eines Parteifreundes anzustellen. Es sei logisch, dass man versuche, Leute zu gewinnen, denen man vertrauen könne.

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Öffentliche Kritik und interne Unruhe

Dennoch ist die Kritik an der AfD groß. Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) rechnete beim „RTL/ntv Frühstart“ vor, Siegmunds Vater bekomme im Jahr fast 100.000 Euro, „während in Sachsen-Anhalt der Durchschnittslohn bei 36.000 Euro Jahresbrutto liegt“. Dies sei nicht nur schlecht für die Demokratie, „sondern es zeigt, dass diejenigen, die Wasser predigen, am Ende Wein saufen“, so Müller.

Nach dpa-Informationen soll auch die Frau eines weiteren AfD-Politikers bei Schmidt im Bundestagsbüro beschäftigt gewesen sein. Es handelt sich um die Frau des Landtagsabgeordneten Lothar Waehler. Die Landespartei äußert sich nicht im Detail zu einzelnen Personalien. Zu etwaigen Anstellungsverhältnissen, Vergütungen, Vertragsdetails sowie zu Beziehungsverhältnissen könnten keine Angaben gemacht werden, sagte ein Sprecher.

Interne Konflikte und öffentliche Reaktionen

AfD-Parteichef Tino Chrupalla hatte mit Blick auf die Anstellungen zuletzt von einem „Störgefühl“ gesprochen. Es handle sich zwar um Verträge, die rechtskräftig und nicht zu beanstanden seien. Aber: „Ein Geschmäckle hat's.“

In einem Schreiben an den Bundesvorstand beklagten einzelne AfD-Mitglieder aus Sachsen-Anhalt zuletzt eine „Skandal- und Konfliktlage“. Sie haben den Vorstand aufgefordert, ordnend einzugreifen, den „Vorwurf der Selbstbedienung“ aufzuarbeiten und „die Eskalation sofort zu stoppen“.

Auch öffentlich üben inzwischen die ersten AfD-Politiker Kritik. Hannes Loth, Bürgermeister der Stadt Raguhn-Jeßnitz, schrieb auf „X“, die Vorgänge seien „ein Schlag ins Gesicht für alle Mitglieder, die an der Basis harte Arbeit für unsere Partei leisten“. Er habe nur eine Frage: „Wo ist eigentlich der Landesvorsitzende?“

Die wachsende öffentliche Aufmerksamkeit und der interne Druck stellen die AfD in Sachsen-Anhalt vor erhebliche Herausforderungen. Die Partei muss nun nicht nur die Vorwürfe der Vetternwirtschaft aufklären, sondern auch das Vertrauen der Öffentlichkeit und ihrer eigenen Basis zurückgewinnen.

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