Berlin-Wahlkampf: CDU führt, aber Zweitplatzierter ungewiss
Knapp sechs Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September bleibt die politische Landschaft der Hauptstadt äußerst spannend. Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des „Tagesspiegel“ liegt die CDU mit ihrem Regierungschef Kai Wegner zwar weiterhin vorn, doch das Rennen um den zweiten Platz gestaltet sich äußerst eng.
Umfrageergebnisse im Detail
Die Christdemokraten kommen in der Erhebung auf 23 Prozent der Stimmen. Hinter ihnen liegen vier Parteien nahezu gleichauf: SPD, Linke und AfD erreichen jeweils 16 Prozent, während die Grünen mit 15 Prozent nur knapp dahinter liegen. Die Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kommt auf 4 Prozent und die FDP auf 3 Prozent – beide würden damit den Einzug ins Abgeordnetenhaus verpassen. Sonstige Parteien vereinen zusammen 7 Prozent auf sich.
Koalitionsoptionen nach der Wahl
Das seit 2023 regierende Bündnis aus CDU und SPD hätte nach diesen Zahlen keine Mehrheit mehr. Realistisch sind demnach zwei Koalitionsoptionen unter Beteiligung von jeweils drei Parteien:
- Ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen unter Führung der Union
- Eine Neuauflage der bis 2023 regierenden Koalition aus SPD, Linken und Grünen
Welche Partei in einer solchen Koalition am Ende vorn liegt und den Regierenden Bürgermeister stellt, bleibt völlig offen. Die Verhandlungen könnten sich angesichts der knappen Verhältnisse als komplex erweisen.
Deutliche Ost-West-Unterschiede
Die Umfrage zeigt markante Unterschiede in der Parteipräferenz zwischen Ost und West der Stadt. Im Osten Berlins liegen CDU (21 Prozent) und AfD (21 Prozent) knapp vor der Linkspartei (19 Prozent). Im Westen der Hauptstadt führen die Christdemokraten dagegen deutlich mit 25 Prozent vor der SPD (20 Prozent) und den Grünen (15 Prozent). Diese regionale Spaltung könnte die Regierungsbildung zusätzlich erschweren.
Historischer Vergleich und aktuelle Entwicklungen
Allerdings liegt die CDU in der aktuellen Umfrage rund 5 Prozentpunkte hinter ihrem Wahlergebnis von 2023. Bei der Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus war sie mit 28,2 Prozent der Zweitstimmen der klare Sieger. SPD und Grüne kamen damals auf jeweils 18,4 Prozent, wobei die Sozialdemokraten wenige Stimmen mehr hatten. Die Linke bekam 12,2 Prozent, die AfD 9,1 Prozent. Die FDP schied mit 4,6 Prozent aus dem Abgeordnetenhaus aus.
Interessanterweise scheint die Kritik am Krisenmanagement des Regierenden Bürgermeisters Wegner während des großen Stromausfalls im Berliner Südwesten Anfang Januar der CDU in der Umfrage nicht zu schaden. Umfragen anderer Institute kamen seit Januar auf ähnliche Werte für die Parteien, was auf eine gewisse Stabilität im Meinungsbild hindeutet.
Methodik und Unsicherheitsfaktoren
Für die aktuelle Civey-Umfrage wurden 3.000 Berlinerinnen und Berliner zwischen dem 12. und 26. März online befragt. Der statistische Fehler für die Gesamtwahlumfrage beträgt 3,5 Prozent, der für den Ost-West-Vergleich 5,1 Prozent.
Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine verlässlichen Prognosen für den tatsächlichen Wahlausgang am 20. September.



