Plakataktion sorgt für Aufsehen: CSU unterstützt SPD-Kandidaten in München
In den Münchner Stadtteilen Neuhausen, Milbertshofen und Haidhausen ist derzeit ein ungewöhnliches Bild zu sehen: Auf zahlreichen Wahlplakaten der CSU prangen plötzlich auffällige rote Aufkleber mit der klaren Botschaft "Am 22.3. Dieter Reiter wählen!". Auf den ersten Blick könnte man von einem dreisten Akt des Wahlplakat-Vandalismus ausgehen, doch die Realität ist weitaus überraschender.
Offizielle Erlaubnis und demokratische Pflicht
Die Aktion erfolgt mit höchstoffizieller Genehmigung der Münchner CSU. Da bei der anstehenden Oberbürgermeister-Stichwahl am Sonntag, dem 22. März, nur noch zwei Kandidaten antreten – der amtierende SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter und sein grüner Herausforderer Dominik Krause – hat sich die CSU nach reiflicher Überlegung für eine Wahlempfehlung zugunsten des SPD-Mannes entschieden.
"Da war es ja naheliegend, dass wir der SPD jetzt auch unsere Plakatständer zur Verfügung stellen, soweit sie noch in den Vierteln herumstehen", erklärt Evelyne Menges, Vize-Fraktionschefin der CSU im Stadtrat und Leiterin des CSU-Kreisverbands München-Nord. Sie betont die demokratische Verantwortung: "Wählen ist demokratische Pflicht, da kann man sich jetzt nicht drücken vor einer Entscheidung."
SPD reagiert mit zusätzlichen Aufklebern
Bei der SPD stößt die unerwartete Unterstützung auf große Freude. "Wir haben deshalb schnell noch 1000 Aufkleber mehr bestellt", berichtet Münchens SPD-Chef Christian Köning. Die einzige Bedingung der CSU war, dass auf den Aufklebern nicht die SPD, sondern ausschließlich der Name Dieter Reiter erscheint, da die Plakate weiterhin im Eigentum der CSU bleiben.
Die neu produzierten Aufkleber werden nun von der SPD-Parteizentrale am Oberanger an zahlreiche ehrenamtliche Helfer in den Stadtvierteln verteilt. Die Klebeaktion soll bis zum Wahlsonntag andauern, allerdings sind in einigen Teilen Münchens wie Bogenhausen, Trudering und Forstenried die CSU-Plakate bereits weitgehend abgebaut.
Hintergrund der ungewöhnlichen Kooperation
Den Anstoß zu dieser bemerkenswerten Hilfsaktion gab offenbar der CSU-Kreisverband Nord-West unter der Leitung von Kreischef und Stadtrat Leo Agerer. Die Entscheidung spiegelt die politische Realität nach der ersten Wahlrunde wider, in der der CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner ausgeschieden ist.
Für die Münchner Wählerinnen und Wähler bietet diese unkonventionelle Plakataktion eine klare Orientierungshilfe in der finalen Phase des Wahlkampfs. Sie demonstriert zugleich, wie parteiübergreifende Zusammenarbeit in einer demokratischen Gesellschaft funktionieren kann, wenn es um die Unterstützung eines favorisierten Kandidaten geht.



