Münchner CSU leistet ungewöhnliche Wahlhilfe für SPD-Kandidaten
In München sorgt eine ungewöhnliche politische Allianz für Aufsehen. Nur wenige Tage vor der entscheidenden Oberbürgermeister-Stichwahl am Sonntag, dem 22. März 2026, wirbt die CSU auf ihren eigenen Wahlplakaten für den SPD-Kandidaten Dieter Reiter. Auffällige rote Aufkleber mit der Aufschrift „Am 22.3. Dieter Reiter wählen!“ zieren zahlreiche CSU-Plakate in Stadtteilen wie Neuhausen, Milbertshofen und Haidhausen.
Offizielle Empfehlung statt Vandalismus
Was zunächst wie politischer Vandalismus wirken könnte, entpuppt sich als höchstoffizielle Aktion. Nachdem in der Stichwahl nur noch zwei Kandidaten antreten – der amtierende SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter und sein grüner Herausforderer Dominik Krause – hat die Münchner CSU nach intensiver Beratung eine klare Wahlempfehlung für den SPD-Mann ausgesprochen. „Da war es ja naheliegend, dass wir der SPD jetzt auch unsere Plakatständer zur Verfügung stellen, soweit sie noch in den Vierteln herumstehen“, erklärt Evelyne Menges, Vize-Fraktionschefin der CSU im Stadtrat und Kreisverbandsvorsitzende von München-Nord.
Demokratische Pflicht und praktische Unterstützung
Die CSU-Begründung für diese unkonventionelle Wahlhilfe ist eindeutig: „Wählen ist demokratische Pflicht, da kann man sich jetzt nicht drücken vor einer Entscheidung“, betont Menges. Der Anstoß zu dieser Aktion kam offenbar aus dem CSU-Kreisverband Nord-West unter der Leitung von Kreischef und Stadtrat Leo Agerer. Die praktische Umsetzung erfolgt durch die Bereitstellung der noch vorhandenen CSU-Plakatständer in verschiedenen Stadtvierteln.
SPD reagiert mit zusätzlichen Aufklebern
Bei der SPD stößt die unerwartete Unterstützung auf große Zustimmung. „Wir haben deshalb schnell noch 1000 Aufkleber mehr bestellt“, berichtet Münchens SPD-Chef Christian Köning. Die einzige Bedingung der CSU: Die Aufkleber sollten nicht mit SPD-Logo versehen werden, sondern lediglich den Namen Dieter Reiter tragen, da die Plakate weiterhin Eigentum der CSU bleiben. Die zusätzlichen Aufkleber werden nun von der SPD-Parteizentrale am Oberanger an zahlreiche Helfer in den Stadtteilen verteilt.
Regionale Unterschiede bei der Umsetzung
Die Aktion zeigt allerdings regionale Unterschiede. Während in vielen westlichen und nördlichen Stadtteilen Münchens die CSU-Plakate noch stehen und beklebt werden können, sind sie in östlichen und südlichen Bereichen wie Bogenhausen, Trudering und Forstenried bereits weitgehend abgebaut. Die Klebeaktion soll bis zum Wahltag am Sonntag fortgesetzt werden, überall dort, wo noch CSU-Plakate zur Verfügung stehen.
Diese ungewöhnliche Form der parteiübergreifenden Unterstützung unterstreicht die besondere Dynamik im Endspurt der Münchner Oberbürgermeisterwahl und zeigt, wie etablierte politische Grenzen in konkreten Wahlentscheidungen zeitweise überwunden werden können.



