Uli Hoeneß warnt vor AfD-Regierungsbeteiligung in drei Jahren
Der legendäre Bayern-Patron Uli Hoeneß (74) hat bei einem Auftritt in Frankfurt deutliche politische Worte gefunden. Anlässlich der Verleihung der Ehrensenatorwürde an Wolfgang Steubing (76) von der Frankfurt School nutzte der Ehrenaufsichtsrat die Bühne, um seine Sicht auf die aktuelle politische Lage in Deutschland darzulegen.
Kritik an der öffentlichen Wahrnehmung der Regierung
Hoeneß zeigte sich überraschend verständnisvoll gegenüber der aktuellen Bundesregierung: „Ich habe hin und wieder das Gefühl, dass die Regierung jetzt viel zu schlecht wegkommt in der Öffentlichkeit – weil sie natürlich einen Chaos-Haufen übernommen hat vor knapp einem Jahr. Und da musste man erstmal aufräumen.“ Der ehemalige Manager des FC Bayern München betonte damit die schwierigen Ausgangsbedingungen der Regierungsarbeit.
Warnung vor den Folgen anhaltender Kritik
Besonders deutlich wurde Hoeneß bei seiner Einschätzung der politischen Konsequenzen: „In jeder zweiten Nachricht wird an Nummer eins unsere Regierung kritisiert. Wissen Sie, was da passiert, wenn Sie so weitermachen? Dann haben wir in drei Jahren die AfD in der Regierung.“ Diese klare Warnung vor einer möglichen Regierungsbeteiligung der AfD markiert eine ungewöhnlich direkte politische Stellungnahme des Sportfunktionärs.
Unterstützung für das Sondervermögen
In wirtschaftspolitischen Fragen positionierte sich Hoeneß ebenfalls: „Ich hätte [Bundeskanzler Merz, Anm. d. Red.] auch geraten, dieses Sondervermögen zu machen.“ Damit zeigte er sich als Befürworter dieser umstrittenen finanziellen Maßnahme der Bundesregierung.
Persönliche Reflexionen und Führungsprinzipien
Der 74-Jährige gab auch Einblicke in seine persönlichen Überlegungen: „Früher konnte ich mir das überhaupt nicht vorstellen, aber ich bin jetzt leider schon 74 und wenn ich zehn Jahre jünger wäre, würde ich es noch mal anpacken.“ Damit deutete er an, dass er unter anderen Umständen durchaus eine politische Karriere in Betracht gezogen hätte.
Seine Führungsphilosophie illustrierte Hoeneß am Beispiel des ehemaligen Bayern-Stars Franck Ribéry: „Die Großen, die muss man packen. Und die Kleinen, die muss man schützen. Wenn Franck Ribéry fünf Tore schießt, muss ich nicht der Hundertste sein, der ihm auf die Schulter klopft. Aber wenn er sich das Kreuzband reißt, dann muss ich der Erste sein, der am nächsten Morgen bei ihm am Krankenbett sitzt.“
Kritische Anmerkungen zu aktuellen Trends
Hoeneß äußerte sich auch kritisch zu modernen Arbeitsvorstellungen: „Und ich höre ja auch neuerdings, dass bei vielen, auch jungen Leuten, die Work-Life-Balance wichtiger ist als das Geld verdienen. Das mag manchmal richtig sein, aber in der Regel kommt man da nicht sehr weit.“ Diese Aussage zeigt seine traditionelle Einstellung zu Arbeit und Engagement.
Zum Einfluss der Mitglieder bei Bayern München sagte er: „Bei uns haben die Mitglieder alles zu sagen. Sie können den Präsidenten wählen, sie können leider Katar verhindern. Also sie haben, leider Gottes, hin und wieder ganz schönen Einfluss.“ Damit thematisierte er indirekt auch die kontroverse Diskussion um Sponsoring und Vereinsentscheidungen.
Die Auftritte von Uli Hoeneß bleiben auch im Ruhestand medienwirksam. Seine klaren Worte zur politischen Situation zeigen, dass der ehemalige Manager weiterhin ein waches Auge auf gesellschaftliche Entwicklungen hat und nicht davor zurückschreckt, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.



