Norwegens Monarchie in der Krise: Kronprinzessin Mette-Marit spricht über Epstein-Freundschaft
Die norwegische Monarchie befindet sich in einer tiefen Vertrauenskrise. Kronprinzessin Mette-Marit, 52, hat sich in einem umfassenden Fernsehinterview beim Sender NRK zu ihrer jahrelangen Freundschaft mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geäußert. Die Enthüllungen haben in Norwegen eine kontroverse Debatte über die Zukunft der Monarchie ausgelöst.
"Ich wünschte, ich hätte ihn niemals getroffen"
In dem emotionalen Interview bekannte die Kronprinzessin: "Ich wünschte, ich hätte ihn niemals getroffen." Sie beschrieb ihre Beziehung zu Epstein als freundschaftlich, betonte jedoch gleichzeitig, dass sie von ihm manipuliert und getäuscht worden sei. "Ich wusste nicht, dass er ein Sexualverbrecher war", erklärte Mette-Marit gegenüber den NRK-Journalisten.
Die Kronprinzessin räumte ein, dass der Kontakt zu Epstein auch nach dessen erster Verurteilung im Jahr 2008 weiterbestanden habe. Sie tauschten sich über private Angelegenheiten aus, wobei Mette-Marit nun betont, sie habe nie illegale Aktivitäten beobachtet. "Alle, die ich mit Epstein getroffen habe, waren Erwachsene", so ihre Aussage.
Beunruhigender Vorfall in Palm Beach
Ein besonders beunruhigendes Ereignis schilderte die Kronprinzessin aus einem Aufenthalt in Palm Beach. Epstein habe sich ihr gegenüber auf eine Weise verhalten, "die mir nicht gefallen hat". Die Situation habe sie so verunsichert, dass sie ihren Mann, Kronprinz Haakon, 52, anrief. Nähere Details zu dem Vorfall nannte sie nicht, betonte jedoch, es habe sich nach NRK-Informationen nicht um einen Übergriff gehandelt.
Erstaunlicherweise setzte Mette-Marit den Kontakt zu Epstein auch nach diesem beunruhigenden Erlebnis fort. Sie begründete dies mit ihrer eigenen Leichtgläubigkeit und Epsteins manipulativen Verhaltensmustern. Erst später habe sie den Kontakt endgültig abgebrochen, "und zwar wegen solcher Vorfälle".
Hunderte Erwähnungen in Epstein-Akten
Die Dimension der Verbindung wird durch die Veröffentlichungen im Epstein-Fall deutlich: Der Name der Kronprinzessin taucht Hunderte Male in den gerichtlichen Akten auf. In veröffentlichten E-Mails fragte Mette-Marit Epstein unter anderem, ob es "für eine Mutter unangemessen" sei, "für ihren 15-jährigen Sohn ein Bild von zwei nackten Frauen, die ein Surfbrett tragen, vorzuschlagen". Dabei handelte es sich offenbar um ein Hintergrundbild für ein Mobiltelefon.
In weiteren Nachrichten bezeichnete sie Epstein als "sehr charmant" und schrieb ihm den bemerkenswerten Satz: "Paris ist gut für Untreue, Skandinavien besser für Ehefrauen." Diese privaten Äußerungen haben in der norwegischen Öffentlichkeit für erhebliche Irritation gesorgt.
Doppelbelastung durch Sohnesprozess und Gesundheit
Die Kronprinzessin steht unter enormem Druck. Parallel zu den Epstein-Enthüllungen lief der Vergewaltigungsprozess gegen ihren ältesten Sohn Marius Borg Høiby, 29. Das Urteil in diesem Verfahren steht noch aus. "Ich bin die Mutter eines jungen Mannes, der sich in einer sehr schwierigen Situation befunden hat", erklärte Mette-Marit im Interview.
Hinzu kommen ihre gesundheitlichen Probleme: Die Kronprinzessin leidet an einer chronischen Lungenkrankheit, die sich nach eigenen Angaben in der jüngsten Zeit noch verschlechtert hat. "Mein Gesundheitszustand ist so, dass ich sehr viel Ruhe brauche", sagte sie. Der norwegische Hof hatte ihr langes Schweigen zu den Epstein-Vorwürfen mit diesen gesundheitlichen Einschränkungen begründet.
Parallelen zu britischem Königshaus
Die Situation erinnert an den Fall des britischen Ex-Prinzen Andrew, dessen Verbindungen zu Epstein bereits zu einem öffentlichen Desaster führten. Sein Interview in der BBC-Sendung "Newsnight" im Jahr 2019 gilt als eine der größten PR-Katastrophen der jüngeren Royals-Geschichte. Andrew zeigte keinerlei Empathie mit Epsteins Opfern und wich den Fragen der Journalistin Emily Maitlis aus.
Die Konsequenzen waren drastisch: Andrew verlor nicht nur seine royalen Titel, sondern wurde im Februar 2026 vorübergehend festgenommen. Seit Mai 2020 vertritt er das britische Königshaus nicht mehr öffentlich. Diese Parallelen machen die aktuelle Krise der norwegischen Monarchie besonders brisant.
Historischer Kontext der Epstein-Affäre
Jeffrey Epstein, der US-amerikanische Investor, wurde 2008 erstmals wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt, erhielt jedoch durch einen umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft nur eine 18-monatige Haftstrafe. 2019 wurde er erneut festgenommen, diesmal unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Rund einen Monat später fand man ihn erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle; nach offiziellen Angaben handelte es sich um Suizid.
Epstein soll Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teilweise prominenten Persönlichkeiten ausgeliefert haben. Die globale Dimension seines Netzwerks und die Beteiligung hochrangiger Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel machen die Affäre zu einem der größten Skandale des 21. Jahrhunderts.
Die norwegische Öffentlichkeit reagiert mit gemischten Gefühlen auf das Interview der Kronprinzessin. Während einige ihr Leichtgläubigkeit und Naivität attestieren, kritisieren andere die jahrelange Aufrechterhaltung des Kontakts zu einem verurteilten Sexualstraftäter. Die Debatte über die Zukunft der Monarchie in Norwegen hat durch diese Enthüllungen neue Nahrung erhalten.



