Münchner OB-Stichwahl: Reiter und Krause im letzten Kampf um die Wähler
Münchner OB-Stichwahl: Reiter vs. Krause im Finale

Münchner OB-Stichwahl: Reiter und Krause im letzten Kampf um die Wähler

Noch bis zur entscheidenden Stichwahl am Sonntag werben der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter (67) von der SPD und sein Herausforderer Dominik Krause (35) von den Grünen intensiv um die Gunst der Münchner Wähler. Die Abendzeitung hat beide Kandidaten auf ihren Wahlkampfveranstaltungen begleitet und analysiert, wie sie bei den Bürgern ankommen.

Dieter Reiter: Selfies und Kontroversen in Neuperlach

Bei einem Auftritt vor einem Einkaufszentrum in Neuperlach zeigte sich Dieter Reiter zugänglich, doch kritische Fragen blieben weitgehend aus. Stattdessen drängten sich die Menschen für Selfies mit dem OB, der rote Rosen verteilte und seine langjährige sozialdemokratische Prägung betonte. "Sozialdemokratie hat München zu dem gemacht, was es ist", erklärte Reiter ins Mikrofon, während er sich zwei Stunden Zeit für Gespräche nahm.

Hintergrund für den intensiven Wahlkampf ist Reiters schwaches Ergebnis bei der Wahl am 8. März, bei der er nur sechs Prozentpunkte vor Krause lag. Ein Grund dafür war die FC-Bayern-Affäre, in der bekannt wurde, dass Reiter ohne Zustimmung des Stadtrats Aufsichtsratsposten angenommen und jährlich 20.000 Euro für seine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat erhalten hatte. Inzwischen hat er alle Ämter abgegeben und das erhaltene Geld von 90.000 Euro gespendet.

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In Neuperlach reflektierte Reiter offen über die vergangenen Wochen: "Die letzten drei Wochen waren meine persönlich beschissensten", gestand er. Er räumte Fehler in der Kommunikation ein und entschuldigte sich für den Gebrauch des "N-Worts" in einer Stadtratssitzung. Dennoch betonte er, nie etwas verheimlicht zu haben, und verwies auf seine politischen Prioritäten wie Mietpreisbremse, Wohnungsbau und neue Regeln für E-Scooter.

Die Reaktionen vor Ort waren gemischt: Während viele Begeisterung zeigten, äußerte ein Mann Kritik: "Das hat für mich ein Geschmäckle", sagte er zur AZ und bezog sich auf die Bayern-Affäre. Doch insgesamt schien das Thema für die meisten Anwesenden nebensächlich.

Dominik Krause: Direkter Dialog auf dem Aubinger Wochenmarkt

Vier Stunden zuvor warb Dominik Krause auf dem Wochenmarkt in Aubing um Stimmen. Ohne Mikrofon oder Rosen, aber mit grünen Windrädern und Visitenkarten ausgestattet, ging er direkt auf die Bürger zu. Eine Mutter beschwerte sich über teurere Kita-Gebühren, und Krause versprach, das Thema mitzunehmen – ein typischer Politikersatz, den er als Zweiter Bürgermeister bereits verinnerlicht hat.

Im Gegensatz zu Reiter konzentrierte sich Krause auf lokale Lösungen, etwa die Umwandlung von 1,8 Millionen Quadratmetern leerstehender Büros in Wohnungen. Die Resonanz war verhalten: Eine 70-Jährige lobte ihn, "weil ich die Grünen für noch nicht ganz so verdorben halte", während eine andere Frau zwar seine Nettheit anerkannte, aber Reiters Erfahrung bevorzugte.

Krause zeigte sich auch in jüngeren Kreisen präsent, etwa als DJ in einem Club, wo er auf Instagram für Aufsehen sorgte. Sein Wahlkampfstil wirkt modern und zielgruppenorientiert.

Stimmungen in der Stadt: Zwischen Skepsis und Begeisterung

Bei einer Veranstaltung in der Freiheitshalle mit ehemaliger Grünen-Chefin Ricarda Lang war die Stimmung euphorisch. Vor vollem Haus betonte Krause, "die Frage, was möglich ist, hängt auch davon ab, welche Ziele man sich steckt". Lang erinnerte an den überraschenden Wahlsieg von Cem Özdemir in Baden-Württemberg und mahnte: "Es ist so vieles drehbar innerhalb der letzten Woche".

Auf dem Odeonsplatz, wo Reiter mit einer Band auftrat, waren die Meinungen gespalten. Ein Mann kritisierte die Bayern-Affäre, fand aber, "als Musiker kann Reiter kein schlechter Mensch sein". Eine Stadtmitarbeiterin berichtete von Unmut unter Kollegen über Reiters Nebeneinkünfte, entschied sich aber bereits für Krause, da sie ihm mehr Umsetzungskraft zutraut.

Viele Wähler sind unentschieden: Eine 40-Jährige nannte die Wahl "wirklich knifflig", kritisierte die Bayern-Meisterfeier-Kosten, hatte aber auch Vorbehalte gegen die Grünen. Eine andere wählte trotz Skandal Reiter, aus Sorge vor grüner Macht.

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Fazit: Ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss

Beide Kandidaten wissen, dass jede Stimme zählt. Krause verglich die Situation mit einem Elfmeter: "Jetzt geht es nur noch darum, ob wir ihn verwandeln". Die Stichwahl am Sonntag wird zeigen, ob München auf Kontinuität mit Reiter oder auf Wechsel mit Krause setzt. Die AZ bleibt dran und berichtet über das Ergebnis.