Halbzeit bei Rheinland-Pfalz-Wahl: 50 Prozent der Wähler haben bereits abgestimmt
Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat bis zum Mittag des Wahltages etwa die Hälfte aller Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Dies teilte der Landeswahlleiter mit und verdeutlichte damit das rege Interesse an der politischen Entscheidung im Südwesten Deutschlands. Rund drei Millionen Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren sind zur Wahl aufgerufen, um über die künftige Zusammensetzung des Landtags in Mainz zu bestimmen.
Briefwahl und Urnengang im Detail
Von den bis 12 Uhr abgegebenen Stimmen entfielen etwa 34 Prozent auf vorher beantragte Briefwahlunterlagen. Weitere 16 Prozent der Wahlberechtigten gaben in den ersten vier Stunden nach Öffnung der Wahllokale ihre Stimme direkt an der Urne ab. Die Wahllokale bleiben bis 18 Uhr geöffnet, sodass noch zahlreiche Wählerinnen und Wähler ihre Entscheidung treffen können.
Vergleich zur vorherigen Wahl nur eingeschränkt möglich: Bei der Landtagswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung zur gleichen Zeit bei 52 Prozent. Allerdings betonte der Wahlleiter, dass ein direkter Vergleich nur bedingt aussagekräftig sei, da damals bereits 44 Prozent der Stimmberechtigten aufgrund der Corona-Pandemie per Briefwahl teilgenommen hatten. Insgesamt erreichte die Wahlbeteiligung 2021 schließlich 64,3 Prozent.
Spitzenkandidaten geben sich zuversichtlich
Beide Hauptkontrahenten der Wahl, Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) und CDU-Herausforderer Gordon Schnieder, haben am Vormittag in ihren jeweiligen Wohnorten gewählt und dabei Optimismus verbreitet.
Schweitzer, der sich erstmals als Nachfolger von Malu Dreyer dem Votum der Wähler stellt, äußerte sich nach seiner Stimmabgabe in Bad Bergzabern: „Das ist ein wunderbarer Tag, auf den ich mich schon seit langem vorbereite und freue.“ Gleichzeitig räumte er ein: „Es wird knapp, das weiß man. Das ist in Rheinland-Pfalz so.“ Der SPD-Politiker verwies auf zahlreiche Ermutigungen aus der Bevölkerung und betonte die Bedeutung unentschlossener Wähler für den Wahlausgang.
Auf der anderen Seite zeigte sich CDU-Kandidat Schnieder beim Urnengang in Birresborn in der Vulkaneifel ebenfalls selbstbewusst: „Ich gehe mit einem tollen Gefühl in den Tag.“ Er sprach von einer spürbaren Aufbruchsstimmung innerhalb seiner Partei und einem sehr fairen Wahlkampf, von dem sich andere Bundesländer eine Scheibe abschneiden könnten. Schnieder, jüngerer Bruder des deutschen Verkehrsministers Patrick Schnieder, will die CDU nach 35 Jahren wieder in die Mainzer Staatskanzlei führen.
Umfragen deuten auf enges Rennen hin
Die letzten Umfragen vor der Wahl lassen ein äußerst knappes Ergebnis zwischen CDU und SPD erwarten. Im ZDF-„Politbarometer“ kommt die CDU auf 29 Prozent, zwei Punkte mehr als die regierenden Sozialdemokraten. Interessanterweise ist SPD-Mann Schweitzer in der persönlichen Beliebtheit jedoch deutlich vor seinem Kontrahenten Schnieder.
Eine Fortsetzung der bisherigen Ampel-Regierung erscheint unwahrscheinlich, da die FDP voraussichtlich nicht mehr die Fünf-Prozent-Hürde überspringen wird. Am wahrscheinlichsten gilt daher eine große Koalition, wobei die Führungsfrage offen bleibt.
Weitere Besonderheiten dieser Wahl:
- Die AfD könnte ihr stärkstes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland einfahren
- Die Grünen landen voraussichtlich auf Platz vier mit etwa neun Prozent
- Die Freien Wähler kämpfen ebenso wie die FDP um den Wiedereinzug
- Die Linke hat Chancen, erstmals in den Landtag einzuziehen
Bis zur Schließung der Wahllokale um 18 Uhr bleibt die Spannung hoch. Die Entscheidung über die politische Zukunft Rheinland-Pfalz liegt nun vollständig in den Händen der Wählerinnen und Wähler, von denen bereits die Hälfte ihre demokratische Pflicht erfüllt hat.



