Lawinen-Experte warnt: Tod im Schnee! Der Reiz der ersten Spur ist lebensgefährlich
Meterhoher Schnee, gesperrte Straßen und tödliche Lawinen: Die Alpenregion kämpft weiterhin mit den schwerwiegenden Folgen heftiger Schneefälle. Die Lawinengefahr bleibt auf einem extrem hohen Niveau und fordert immer wieder tragische Opfer. Nach einem massiven Lawinenabgang sind die exklusiven Arlberg-Orte Lech und Zürs, zwei der weltweit renommiertesten Wintersportziele, vorerst von der Außenwelt abgeschnitten. Die wichtige Verbindungsstraße bleibt mindestens bis Sonntagfrüh vollständig gesperrt.
Auch im Nordosten Sloweniens verursacht der massive Schneefall erhebliche Probleme – aktuell sind rund 29.000 Haushalte ohne Stromversorgung. Die Situation bleibt angespannt, während Rettungskräfte rund um die Uhr im Einsatz sind.
Dramatische Lage für Wintersportler abseits der Pisten
Am dramatischsten gestaltet sich die Situation jedoch für Wintersportler, die abseits der gesicherten Pisten unterwegs sind. In Österreich, Norditalien und der Schweiz kamen in den vergangenen Tagen mehrere Menschen durch Lawinen ums Leben. Ein 41-jähriger Wintersportler wurde laut Polizeiangaben in Serfaus in Tirol abseits der Piste am Samstag von einem plötzlich abgehenden Schneebrett erfasst.
Der Österreicher konnte zwar aus einer Tiefe von etwa zweieinhalb Metern ausgegraben werden, er verstarb jedoch später im Krankenhaus. Allein am vergangenen Freitag starben in Österreich fünf Menschen bei Lawinenunglücken. In Tirol kam es am Freitag zu mehreren Einsätzen nach Lawinenabgängen, wie beispielsweise in St. Anton am Arlberg dokumentiert wurde.
Unter den Opfern befindet sich auch ein 42-jähriger Deutscher, der gemeinsam mit seinem 16-jährigen Sohn von den Schneemassen mitgerissen wurde. Bereits am Dienstag starb der deutsche Adelige Felix Freiherr zu Knyphausen aus Dortmund bei einem Lawinenabgang. Alle Betroffenen waren abseits der gesicherten Pisten unterwegs.
„Die Lawinensituation ist aktuell sehr angespannt“
Jörg Randl, Leiter der Abteilung Bergsport beim Österreichischen Alpenverein, erklärt gegenüber Medien: „Die Lawinensituation ist aktuell sehr angespannt. Es gibt im Moment sehr viele Lawinen.“ Der Winter habe zunächst mit vergleichsweise wenig Schnee begonnen, dann sei es deutlich kälter geworden, und es habe intensive Schneefälle gegeben.
Durch die wechselhaften Wetterbedingungen habe sich stellenweise eine gefährliche Kruste auf dem alten Schnee gebildet. „Ober- und unterhalb dieser Kruste ist der Schnee extrem instabil“, warnt Randl eindringlich. Die offiziellen Skipisten würden zwar kontinuierlich überwacht und präpariert, um die Gefahren zu minimieren.
Anders sieht die Situation jedoch abseits der Pisten und auf Skirouten aus. Trotz der äußerst angespannten Lage wagten sich immer wieder Wintersportler ins freie Gelände. „Ich erklärte mir das so: Wer mit dem Lift ins Skigebiet fährt und sieht, dass es bei anderen gut geht, könnte denken, dass bei ihm ebenfalls nichts passiert“, so Randl. Hinzu komme der besondere Reiz der sogenannten First Line – als Erster eine Spur in den frischen, unberührten Schnee zu ziehen.
Bergretter warnen eindringlich vor freiem Gelände
Randl empfiehlt für Touren im freien Gelände dringend eine vollständige Notfallausrüstung:
- LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät)
- Sonde
- Stabile Lawinenschaufel
- Mobiltelefon
- Erste-Hilfe-Set
- Rettungsdecke
- Biwaksack
Zusätzlich empfiehlt der Experte auch, einen Lawinen-Airbag und einen Skihelm mitzunehmen. Bei den aktuellen Warnstufen rät Randl jedoch dringend davon ab, überhaupt abseits der Pisten unterwegs zu sein. Eine schnelle Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Die aktuellen Prognosen zeigen deutlich, dass die Lawinenwarnstufe in den kommenden Tagen weiterhin hoch bleiben wird.
Die Bergretter appellieren an alle Wintersportler, die offiziellen Warnungen ernst zu nehmen und sich ausschließlich in den gesicherten Bereichen aufzuhalten. Die Sicherheit muss stets Vorrang haben vor dem kurzfristigen Erlebnis der ersten Spur im Tiefschnee.



